Berlin : „Corso der Lichtgestalten“ am Palast

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Eine Kunstaktion, die auf das Schicksal von Analphabeten hinweisen will, hat jetzt nach einer Reise durch 36 deutsche Städte den Zielort Berlin erreicht. Die leuchtenden Neonbuchstaben, die am 31. Juli auf Sylt als „Corso der Lichtgestalten“ gestartet waren, wurden am gestrigen Sonntag vor dem Palast der Republik aufgebaut.

Sie leuchten farbig und sie bedeuten irgendetwas. Doch entziffern lassen sich die „Lichtgestalten“ des Hamburger Künstlers Benjamin Schubert nicht. Schubert verdrehte und verbog die Neonröhren von alten Schriftzügen, wie sie früher über Geschäften von Einzelhändlern hingen. Vom Charakter her ahnt man, dass die Buchstaben zu Friseursalons, Feinkostläden oder Cafés gehörten. Aber richtige Wörter kann man nicht lesen. „So ähnlich muss Leuchtreklame auch für Analphabeten aussehen“, sagt Schubert.

Die Mission des Künstlers: Gemeinsam mit dem Bundesverband Alphabetisierung deutlich zu machen, dass auch in Deutschland – trotz Schulpflicht – viele erwachsene Menschen nicht lesen und schreiben können. Derzeit leben in Deutschland etwa vier Millionen Analphabeten. Im Extremfall sind dies Leute, die im Supermarkt ratlos vor den Regalen stehen, weil sie die Packungsaufschriften nicht lesen können. Doch im Alltag fallen sie nicht auf. Oft bitten sie andere um Mithilfe mit dem Vorwand, sie hätten ihre Brille vergessen. svs,dpa

www.corsoderlichtgestalten.de

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