Craft Bier Festival : Brew it yourself in Berlin

Charakterstarke Biere machen den "nah am Wasser gebrauten" Standardbieren Konkurrenz. Auch solche aus Berliner Craft Bier Brauereien. Beim Festival in Friedrichshain merkt man, warum.

Vinzenz Greiner
Fliegendes Schildkrötenbier. Auf dem Berliner Craft Bier Fest auf dem RAW-Gelände wurden ungewöhnliche und unangepasste Biere gefeiert
Fliegendes Schildkrötenbier. Auf dem Berliner Craft Bier Fest auf dem RAW-Gelände wurden ungewöhnliche und unangepasste Biere...Foto: Vinzenz Greiner

Kühl steht sie da, die durstige Dame, die goldgelb schimmert. Sie verströmt einen angenehmen Duft von Holunder. Ein glatzköpfiger Mann hat sie gerade probiert. „Meine Zunge schmeckt da eher Pfirsich“, sagt er.

Die „Thirsty Lady“ ist ein sogenanntes Pale Ale, das Sylvia Kopp jenen beim Beertasting empfiehlt, die noch nicht so viel Erfahrung haben mit den herben Craft Bieren. „Die Lady ist immer noch doppelt so bitter wie ein normales Pils“, weiß Kopp als Vertreterin der Berlin Beer Academy. Einige der 13 Tasting-Teilnehmer verfallen ins Staunen.

Craft Biere – das sind dem Wort nach handwerklich gebraute Biere, die ursprünglich aus den USA kommen. „Die Amerikaner hatten keine Lust mehr auf Dosenplörre, die nah am Wasser gebraut ist“, erklärt Kopp, die bei der Berliner Beer Academy arbeitet. Sie veranstaltet zum Beispiel Tastings wie am Sonnabend auf dem Berliner „Craft Bier Fest“ auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain.

Milchsäurebakterien und Pfirsichnoten. Beim Beer-Tasting stellte Sylia Kopp von der Berlin Beer Academy ungewöhnliche Biersorten vor.
Milchsäurebakterien und Pfirsichnoten. Beim Beer-Tasting stellte Sylia Kopp von der Berlin Beer Academy ungewöhnliche Biersorten...Foto: Vinzenz Greiner

Während draußen die Summe aus Sonne, heller und tiefdunkler Biere die Stimmung erhellt, schaut Thomas Riesener beim Tasting im Badehaus Szimpla skeptisch in sein Glas. „Ich suche die Milchsäure-Bakterien“, sagt er lachend. Von ihnen hat Kopp gerade gesprochen. Seinen Kumpel Tobias überzeugt der „Stall-Geruch“ nicht.

Der herbe Geschmack der neuen Biere, die seit ein paar Jahren den homogenen deutschen Markt aufmischen, mag nicht jeder und jede. Ilka Lewrenz schon – sie ist eine von zwei Frauen beim Tasting. Bier würden schon eher Männer trinken, sagt sie. „Daher die Überzahl.“

Draußen ist der Stand der Kreuzberger Kleinbrauerei Heidenpeters, die unter anderem die „Thirsty Lady“ aus ihren Kesseln holt. Der Brauer, Johannes Heidenpeter, hat freie Kunst studiert. Dann wollte er etwas gegen die langweiligen deutschen Biere tun. „Man kann sich eben auf der Leinwand oder im Glas austoben“, sagt seine Freundin.

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