Crowdfunding in Berlin : C/O-Galerie sammelt 122 000 Euro fürs neue Haus

Die C/O-Galerie brauchte Geld, um ihr neues Quartier im Amerika-Haus am Bahnhof Zoo auszustatten. Tatsächlich kam nach dem Aufruf sogar mehr zusammen als gebraucht wurde. Unser Autor freut sich mit.

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Neues Leben im alten Haus. Am 30. Oktober will die C/O-Galerie am Bahnhof Zoo eröffnen. Zuvor war sie im Postfuhramt an der Oranienburger Straße - bis sie heimatlos wurde.
Neues Leben im alten Haus. Am 30. Oktober will die C/O-Galerie am Bahnhof Zoo eröffnen. Zuvor war sie im Postfuhramt an der...Foto: dpa

Opa erzählt jetzt mal vom Krieg, Kinder. In einem vergangenen Jahrtausend, also vor etwa 15 Jahren, war Fotografieren teuer. Kein Ratgeber kam im Sommer ohne den Tipp aus, genügend Filme in den Urlaub mitzunehmen, damit man sie nicht auf der Sonneninsel bei windigen Händlern zu Mondpreisen kaufen muss. Auf einen Film für etwa fünf Euro passten 36 Bilder, also der durchschnittliche heutige Selfie-Output einer Stunde. Man konnte sich damals auch nicht gleich zum gemeinsamen Kichern übers Foto beugen, sondern bekam Tage später eine Tüte mit Papierbildern zurück, auf denen die Dolomiten manchmal aussahen wie Zahnstein und die Ostsee wie Bleigießen. Weihnachten schaute man das dann mit der Verwandtschaft an.

Nur ein paar ganz Versierte hatten früher schon super Fotos. Die allerbesten von ihnen schafften es bis in Galerien wie C/O Berlin in der Oranienburger Straße. Die will bekanntlich ins Amerika-Haus am Bahnhof Zoo ziehen und braucht dafür Geld, das irgendwo herkommen muss. „Crowdfunding“ hieß die Idee, die 100 000 Euro für die Innenausstattung bringen sollte. Die aus dem Amerika- Haus längst ausgezogenen Amis würden vielleicht sagen: „Kraut-Funding“. Well. Jedenfalls sind binnen 45 Tagen sogar 122 655 Euro aus 430 Einzelspenden zusammengekommen. Es ist laut Veranstalter das erfolgreichste derartige Projekt einer deutschen Kulturinstitution. Was zeigt, dass auch im Land der fantasievollen Steuererklärer die Leute durchaus etwas abgeben, wenn ihnen der Zweck vernünftig scheint. Die Summe dürfte etwa der täglichen Ersparnis aller fotografierenden Berliner entsprechen in Zeiten, in denen 100 Abzüge fünf Euro kosten und die Filme im Museum liegen. Am 30. Oktober soll das neue C/O eröffnen. Es gibt bestimmt tolle Bilder von der Party dann. Und erst danach!

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