Berlin : Curry-Connection

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Andreas Conrad über

die zwei Enden der Wurst

Wurst oder nicht Wurst – was für eine Frage! Man stelle sich vor, die Stadtbehörde von New York, jenem metropolitanen Vorbild unserer kleinen Stadt, würde die Hotdog-/Pretzel-Karren rund um Wall Street verbieten: Angesichts knurrender Mägen könnte sich kein Broker mehr auf die Fieberkurven des Marktes konzentrieren, der Dow Jones stürzte ins Bodenlose. Nun gibt es am Pariser Platz nur wenig Börsianer – ihn zur wurstfreien Zone zu erklären, schadet der Wirtschaft kaum weniger. All die Touristen, die ungesättigt das Brandenburger Tor umkreisen und dann verkünden, in Berlin finde man ja nicht mal ein Würstchen – nicht auszudenken! Freilich nützt die beste Einsicht nichts, sofern es ihr an potenten Fürsprechern mangelt. Der mit dem größten Einfluss ist gewiss der Kanzler, ein nach eigener Einschätzung ausgewiesener Kenner der hiesigen Wurstbudenszene. Beim Bush-Besuch lud er sogar ins „Tucher“ und orderte Curry-Wurst. Auch die Wurstbude am Tor war ihm offenbar vertraut, erinnert sich doch der Wurstbrater noch gerne an einen Besuch nach Ladenschluss und das dabei gefallene Kanzlerwort: „Doll, was ihr hier macht.“ Schade nur, dass Würstchen Landessache sind. Blieb also Stadtentwicklungssenator Peter Strieder, der zweitstärkste Fürsprecher, der gleichermaßen ein Herz für Würstchen wie für dieselbe Partei hat, was ja nicht schaden kann. Ein erfolggekrönter Vorstoß, der wieder einmal beweist: Alles hat einmal ein Ende, nur die Wurst hat zwei.

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