Berlin : „Da hab ich gesagt, ich bin der Pfleger René“

Wunden verbinden in 12 000 Metern Höhe – ein Berliner flog mit nach Thailand

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Herr Maibaum, Sie waren auf dem zweiten Rettungsflug ins Flutgebiet dabei, 32 Stunden nonstop Dienst. Wie erinnern Sie sich daran?

Es kommt mir immer noch ziemlich unwirklich vor.

Da waren 44 schwer verletzte, traumatisierte Menschen an Bord – hatten Sie Anweisungen für den Umgang?

Nein, wir haben ja genug Erfahrung. Aber ein bisschen anders als im Krankenhaus habe ich es schon gemacht. Normalerweise hätte ich mich als Oberfeldwebel Maibaum vorstellen müssen, so ist das bei uns im Krankenhaus. Aber ich dachte, nee, hier geht das nicht. Also hab ich gesagt, ich bin der Pfleger René.

Wie viele Menschen haben Sie versorgt?

Sieben. Die meisten zwischen 20 und 30, aber auch einen alten Herrn. Es hieß, er habe seine Frau verloren. Ich glaube, der Flug war für alle noch einmal ein richtiger Einbruch. Sie dachten, jetzt lassen sie ihre Toten auch noch alleine zurück. Fast alle haben sehr geweint.

Und wie ging es Ihnen?

Mit dem alten Herrn habe ich die ganzen 15 Stunden Rückflug immer wieder gesprochen, und das ging mir ans Herz. Als sie ihn in Köln ausgeladen haben, musste ich weggehen. Aber ich kann ja zu Patienten keine emotionale Bindung eingehen, wo soll das bei meinem Beruf enden?

Was macht man in 15 Stunden? Stillsitzen?

Wir haben gearbeitet wie im Krankenhaus, nur auf engerem Raum. Und wir haben ziemlich geschwitzt, weil es so warm war, etwa 24 Grad, damit die Patienten nicht auskühlen. Meine sieben hatten vor allem große Wunden. Außerdem Lungenentzündung, weil sie Salzwasser eingeatmet hatten. Das tat natürlich alles höllisch weh, also bekamen sie auch Schmerzmittel.

Konnten Sie sich mal ausruhen?

Wir hatten im hinteren Teil des Fliegers zwar Sitzplätze, aber irgendwie dachte ich immer, ich kann hier nicht sitzen, ich muss was tun. Es war schon eine besondere Atmosphäre. Wir alle haben uns gegenseitig geholfen, sogar die Stewardessen sind mit Bettpfannen gelaufen.

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