Berlin : „Da staut sich Frust auf“

Gesamter FDP-Ortsverband will die Partei verlassen.

Foto: FDP-Treuenbrietzen
Foto: FDP-Treuenbrietzen

Treuenbrietzen - In Brandenburg hat einer der erfolgreichsten FDP-Ortsverbände genug von den Querelen innerhalb der Partei – und will geschlossen austreten. Die acht Parteimitglieder aus Treuenbrietzen und Niemegk wollen nun eine eigene liberale Bürgervereinigung gründen. Dabei galt Treuenbrietzen mit 7500 Einwohnern als Hochburg der Liberalen in Brandenburg. Bei der letzten Kommunalwahl waren die Freien Demokraten mit 30 Prozent stärkste Kraft. FDP-Mann Michael Knape wurde ein Jahr später mit gut 70 Prozent als Bürgermeister wiedergewählt. Über den Verdruss mit der Partei sprach Thomas Lähns mit Andreas Gronemeier, dem Chef des Treuenbrietzener Ortsverbandes.

Herr Gronemeier, mit dem geschlossenen Austritt aus der FDP setzen Sie ein Zeichen. Wie konnte es so weit kommen?

Bei uns hat es schon seit der letzten Bundestagswahl gegärt. Uns wurde klar, dass es in der FDP – wie auch in anderen Parteien – nur noch um Personen geht, die ihre Pfründe sichern wollen. Hinzu kommen die aktuellen Umfragewerte. Schlechte Wahlergebnisse für die Liberalen hatte es zwar auch schon früher gegeben, aber 1998 wie 2003 gab es immer noch Perspektiven. An denen fehlt es jetzt – wie an Köpfen. Der Rücktritt von Generalsekretär Lindner hatte letztlich den Ausschlag gegeben.

Hätte die Basis nicht auch etwas tun können, um der FDP aus der Krise zu helfen?

Das haben wir versucht – zum Beispiel, indem unser Bürgermeister die erneuerbaren Energien zu einem Thema für die Landespartei machen wollte. Mit unserem energieautarken Ortsteil Feldheim wären die Voraussetzungen ideal gewesen, auch weil von diesem Projekt der Mittelstand in der Region profitiert. Das Thema muss man nicht den Grünen überlassen. Aber es hat niemanden interessiert, was bei uns in der Peripherie geschieht. Da staut sich Frust auf.

Mit der Landespartei hadern Sie auch?

Nachdem der neue Landesvorsitzende Gregor Beyer nach seiner Wahl vor zwei Jahren gesagt hatte, „die Wurstelei ist vorbei“, war das für uns sehr ärgerlich. Damals sind wir in der Landespartei ein ganzes Stück nach hinten versetzt worden. Wir in Treuenbrietzen haben seit über 20 Jahren erfolgreich liberale Politik gemacht. Wir haben Wähler gebunden, ihnen sind wir Rechenschaft schuldig.

Macht der Frust die Trennung da leicht?

Es zwickt schon irgendwo. Ich bin seit 25 Jahren Mitglied der FDP gewesen. Wir werden auch in Zukunft liberal bleiben und als liberaler Wählerverein auftreten.

Wird Ihr Beispiel Schule machen?

So wie es zurzeit durch die Medien geht, wird sich sicher etwas tun in der FDP. Dafür ist es auch Zeit, denn liberale Politik wird gebraucht.

Andreas Gronemeier war bislang Vorsitzender des Treuenbrietzener FDP-Ortsverbandes. Der 54-Jährige ist Inhaber eines Autohauses und gilt auch in der Kreispolitik als gut vernetzt.

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