Berlin : Da staut sich was zusammen: Dauerchaos am Potsdamer Platz

Viele Ampeln und blockierte Busspuren – ein Nadelöhr in der Mitte der Stadt

Christian van Lessen

Wütend hupende Autofahrer, die nicht vorankommen, genervte Fußgängerscharen, die sich oft gewagt durch die lange Fahrzeuglawine schieben, falsch parkende Touristenbusse, die den BVG-Linienverkehr und Abbiegespuren blockieren: In der Potsdamer Straße zwischen Sony-Center und Daimler-Chrysler-Viertel staut sich der Verkehr regelmäßig. Selbst an Sonn- und Feiertagen ist oft alles dicht.

Dann geht zwischen Reichpietschufer und Stresemannstraße nichts mehr. An Werktagen stauen sich die Autos gar bis zur Ampel Friedrichstraße und darüber hinaus bis zur Charlottenstraße. Die Senatsverkehrsverwaltung will allerdings nicht von Stau, sondern von „Schrittempo“ sprechen. Sie prüft, ob die Ampelschaltungen verbessert werden können.

An den verkaufsoffenen Adventssonnabenden kam es oft zum stundenlangen Verkehrskollaps. Da brauchten Autofahrer 20 Minuten für die kurze Fahrt zwischen Landwehrkanal und Stresemannstraße. Drei Ampelanlagen sind auf dem rund 200 Meter langen Stück zwischen Entlastungsstraße, Varian-Fry- und Stresemannstraße geschaltet, und wenn der Verkehr stockt, kämpfen sich Fußgänger beim Überqueren der Straße durch viel Blech, müssen auf aufmerksame Autofahrer hoffen. Gerade an der Ludwig-Beck-Straße, wo der größte Passanten-Strom zwischen Sony- und Daimler-Areal über die Straße führt, fehlt ein Zebrastreifen. Er würde den Fahrzeugverkehr noch mehr behindern, sagt die Sprecherin der Verkehrsbehörde, Petra Reetz.

Wie Staus entstehen, lässt sich fast täglich beobachten, besonders gut in östlicher Richtung: Auf der rechten Busspur zwischen den beiden Vierteln halten Reisebusse und behindern den BVG- und Taxi-Verkehr. Taxis, BVG- und andere Busse müssen sich nun in die zwei normalen Spuren einfädeln, was allein schon staufördernd ist. Die beiden Fahrspuren teilen sich ohnehin schon zwei unterschiedliche Verkehrsströme: Der eine kommt aus Richtung Landwehrkanal, der andere von den Linksabbiegern aus der Entlastungsstraße. Die Kreuzung ist dann schnell verstopft, Autos schrammen fast aneinander. Und weil die weiteren Ampeln in der Hochhausschlucht an der Potsdamer Straße auf Rot stehen, wenn die Linksabbieger einfahren, ist schnell alles dicht.

Ortsfremde Autofahrer sind außerdem verunsichert, wenn sie von der Potsdamer in die Leipziger Straße fahren, weil sich die Straße optisch verengt und wie ein Trichter wirkt. Autos bremsen oder wechseln die Spur, auch die Busse müssen sich einfädeln. Schnell ist der nächste Stau vor den Ampeln Wilhelm-, Mauer- und Friedrichstraße erreicht, bis sich die Leipziger Straße wieder breit dem Verkehr öffnet.

Vor einem Verkehrskollaps am Potsdamer Platz hatten bereits vor Jahren Investoren wie DaimlerChrysler und auch der ADAC gewarnt. Die Verkehrspolitiker steuerten in einen Dauerstau, es sei „schwer einsehbar“, dass der Autostrom auf den ohnehin knappen Ost-West-Verkehrsadern sogar noch eingeschränkt werden solle, womit auch die geplante Straßenbahnlinie über die Leipziger Straße zum Potsdamer Platz gemeint war. Aber aus dem Straßenbahnprojekt wird erstmal nichts – zur Freude von DaimlerChrysler.

Das Unternehmen hatte vor drei Jahren den Bau einer unterirdischen Straßenbahnlinie sowie eine „Stadtstraße“ unter dem Landwehrkanal in die Diskussion gebracht. Sie könnte, einer Studie der Bahn zufolge, den Tiergartentunnel verlängern und dann teils oberirdisch, teils durch einen zweiten Tunnel zum Schöneberger Kreuz führen.

Staus, die sich an der Tunnelausfahrt am Reichpietschufer bilden würden, könnten vermieden werden. Es blieben Planspiele.

Petra Reetz sagt, dass die Behörde eher auf „intelligente Ampelschaltungen“ als auf neue Straßen setzt, die auch später noch unterhalten werden müssten. Berlin sei eine Stadt, die nicht wächst, seit fünf Jahren habe sich die Zahl der Autos nicht erhöht. Und dass es so oft so eng am Potsdamer Platz sei, liege auch an dem attraktiven Ort und seiner Anziehungskraft für Touristen.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben