Berlin : Da stehen die Mönche Kopf

Erste Ausstellung in der Kommandantur Unter den Linden. Fotograf Tom Jacobi zeigt auf seinen Bildern, wo Gott wohnt

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Wenn ein Frosch ins Haus kommt, nähert sich der Tod. Das glauben die Menschen in PapuaNeuguinea, für die Tiere die Verkörperung übernatürlicher Wesen sind. 144000 Kilometer reiste der Fotograf Tom Jacobi der Frage nach, „Wo Gott wohnt“ . Er hat in Höhlen und Tälern, in Kellern und Klöstern gelebt und 37 mythische Orte aufgenommen.

Die schönsten Bilder von seinen Reisen zu heiligen Stätten sind in der ersten öffentlichen Ausstellung in der neuen Bertelsmann-Repräsentanz, der Kommandantur Unter den Linden, zu sehen. Die Papua zeigt er bei einem rituellen Singfest. Auf der Osterinsel in Chile hat er hoch in den Himmel ragendes Vulkangestein aufgenommen, in dem die Geister der Ahnen wohnen. Im Katharinenkloster am Berg Sinai in Ägypten eine Kammer, in der die Totenschädel verstorbener Mönche aufgehoben werden. Im Mississippi-Delta hat er eine ehemalige Sklavenkirche mit der Aufschrift „Free Grace“ fotografiert. In Jerusalem den Schatten eines Mannes auf der Klagemauer. Er zeigt schwarz gewandete Nazaräer in Sevilla bei ihren Prozessionen während der Semana Santa und eine taoistische Nonne, die vor einem der 72 Götter ihres Klosters kniet. Sogar ein knieender Theologe kommt vor – in der Gnadenkapelle in Altötting. Ändert jemand, der eine solche Tour macht, seine Einstellung zur Religion?

Eigentlich hat Tom Jacobi eine ganz unspektakuläre Karriere hinter sich: Als Christ geboren, aus Steuergründen irgendwann aus der Kirche ausgetreten. Heute bezeichnet sich der 48-Jährige als „gläubig, aber nicht religiös“. Eine Haltung, die sich bei seinen im Schnitt zehn Tage währenden Besuchen an den mythischen Orten noch vertieft hat.

„Jede Religion hat etwas Dogmatisches und Belehrendes.“ Das stört ihn. „ Zwischen Himmel und Erde gibt es mehr, als wir uns vorstellen können.“ Diesen Glauben hat seine persönliche Pilgerreise in ihm zwar bekräftigt. „Aber ich glaube nicht an Religionen.“ Dafür zeigt er sie sehr farbenfroh. Die Blumen zwischen den Fingern eines hinduistischen Mönchs, die für Erleuchtung und göttliche Demut stehen. Die beiden Felsen in Japan, die Mann und Frau symbolisieren und mit einem Tau aus Reisstroh umwickelt sind. Shinto, der Weg der Götter, kennt keine Propheten, die Menschen verehren das, was sie um sich herum sehen.

Tom Jacobi, jetzt Art Director beim Stern, hatte immer den Traum, ein Buch zusammen mit seinem Vater, dem Autor Claus Jacobi zu machen. Die besondere Beziehung zwischen Vater und Sohn ist für ihn keine Worthülse. Bei einem Workshop über chinesische Baukunst in Kaliforniern überkam ihn die Idee für dieses Projekt wie eine unabweisbare Eingebung. Dass die jeweils zuständigen Götter immer das richtige Licht geschickt haben, bestätigte ihn darin. Als gutes Geschäft hat sich das Projekt zwar nicht erwiesen, immerhin ist er dem Sinn des Lebens näher gekommen. Der bestehe, sagt er, wohl darin, sich mit dem Sinn des Lebens zu beschäftigen. Bi

Die Ausstellung läuft bis zum 14. März im Bertelsmann-Haus, Unter den Linden 1, Do./Fr. 18-22, Sa./So. 11-17 Uhr

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