"Da werde ich richtig böse" : Prominente Unterstützung für Flugrouten-Gegner

Zu den Gegnern der neuen Flugrouten zählt auch Regisseur Leander Haußmann. Kein Wunder: Der 52-Jährige lebt direkt am Müggelsee.

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Lautstark. Beim Thema Flugrouten haben viele Bürger bewiesen, dass sie mitreden wollen. Foto: dapdWeitere Bilder anzeigen
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13.01.2012 21:01Lautstark. Beim Thema Flugrouten haben viele Bürger bewiesen, dass sie mitreden wollen.

Berlin - Der Regisseur und Schauspieler Leander Haußmann hält große Stücke auf seine Friedrichshagener. „Die wachen zwar manchmal etwas spät auf, aber dann wird man sie nicht mehr los“, sagt der 52-Jährige, der wie die meisten seiner Verwandten in dem Köpenicker Ortsteil wohnt. „Vor allem wenn die Menschen das Gefühl haben, man wolle ihnen die einmal erkämpften demokratischen Rechte einfach wegnehmen, können sie recht hartnäckig werden.“ Genau dieses Gefühl habe sich in Friedrichshagen ausgebreitet, nachdem die Flugsicherung die neuen Routen über den Müggelsee bekannt gegeben hatte. „Da kann ich selbst richtig böse und hartnäckig werden“, sagt der Regisseur („Sonnenallee“, „Herr Lehmann“ und „NVA“). Deshalb beteilige er sich auch an den Montagsdemonstrationen der Bürgerinitiative. Am gestrigen Montagabend trat er als Redner auf dem Marktplatz auf, wo sich 2500 Flugroutengegner versammelten.

Nach Haußmanns Geschmack könnten es noch deutlich mehr werden. Denn noch beruhige sich mancher Anwohner, dass man sich irgendwann an die Flugzeuge gewöhnen würde. „Die wissen immer noch nicht, was es bedeutet, wenn alle acht Minuten hier eine Maschine im Tiefflug drübersaust“, sagt Haußmann. Er jedenfalls werde kämpfen. „Mit Beharrlichkeit und Ausdauer ist viel zu erreichen.“ So manche Filmproduktion wäre beispielsweise nicht geglückt, wenn er bei den Geldgebern und Entscheidern nicht immer wieder gebohrt hätte.

Haußmann, der zuerst in der Scharnweberstraße, dann am Goldmannpark wohnte und sich bis zum Müggelsee „hochgearbeitet“ hat, schätzt Friedrichshagen als ein „schönes Stück Heimat“. Hier sei kein ausgesprochener Ort für Prominente und Politiker. Hier würden alle wohnen – Künstler, Professoren, Handwerker, Arbeiter in friedlicher Eintracht. Menschen aus ganz Berlin könnten sich im Viertel erholen. „Nur weil Friedrichshagen weniger Lobby als der Wannsee besitzt, können wir den Müggelsee doch nicht wegen der Flugzeuge aus Schönefeld aufgeben.“ Dann zählt er auf, was den Reiz des Ortsteils ausmache: Hier hat sich der Friedrichshagener Dichterkreis gebildet, die Volksbühnenbewegung und Volkshochschule wurden gegründet, Hauptmann schrieb „Einsame Menschen“, im Naturtheater spielte Heinrich George.

„Die Menschen hier teilen die Sehnsucht nach Ruhe auch mit jenen Politikern, denen es gelungen ist, die Flugzeuge über ihren Dächern zu vertreiben“, sagt der Regisseur. Deshalb sollten sich die Politiker gefälligst an die Orte des Geschehens bewegen. Das sei deren Job, dafür würden sie bezahlt.

Bei den bisherigen Montagsdemonstrationen in Friedrichshagen hatten sowohl Klaus Wowereit als auch Renate Künast die Einladung nach Friedrichshagen „wegen Terminproblemen“ abgesagt. Einzig Wirtschaftssenator Harald Wolf trat ans Mikrofon, um den Demonstranten seinen Beistand im Kampf gegen eine zu große Belastung durch die Routen zu versichern.

Die Friedrichshagener wollen jeden Montag gegen die Ende Juni von der Deutschen Flugsicherung veröffentlichten Flugroutenpläne demonstrierten. Für Ende August plant die Initiative eine Menschenkette um den Müggelsee als Zeichen des Protestes.

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