Da will jeder hin : Der Winterfeldtmarkt in Schöneberg hat ein Platzproblem

03.06.2011 22:16 Uhrvon
  • Da ist jeder Quadratmeter bares Geld wert. Der Markt am Winterfeldtplatz in Schöneberg wird immer beliebter. Mit den Besucherzahlen steigt auch die Zahl der Händler, die hier gerne... - Foto: Thilo Rückeis
  • Der Platz ist knapp auf dem Winterfeldtmarkt. Besonders am Sonnabend ist das Gedränge groß. - Foto: Paul Zinken
  • Mit bis zu 250 Ständen ist der Wochenmarkt einer der größten der Stadt - Foto: Thilo Rückeis

Jeden Sonnabend wird es eng, laut und schmutzig: Der Winterfeldtmarkt platzt aus allen Nähten. Nach Anwohnerbeschwerden mussten mehrere Händler abziehen. Der Bezirk sucht nach einer Lösung

Dieses Geschäft möchte sich kein Händler entgehen lassen: Mit sonnabends bis zu 250 Ständen ist der Wochenmarkt auf dem Schöneberger Winterfeldtplatz einer der größten der Stadt – und er ist inzwischen so beliebt, dass die Fläche nicht für alle reicht. Mittwochs geht es mit rund 130 Ständen noch halbwegs ruhig zu. „Aber am Wochenende platzt der Markt aus allen Nähten“, sagt Jürgen Fürgut, der gegrillten „Steckerlfisch“ serviert. Eine Zeit lang stand er sonnabends am südöstlichen Platzrand neben der St.-Matthias-Kirche, gemeinsam mit mehr als 15anderen Anbietern. Damit ist es seit wenigen Tagen wegen einer Anwohnerbeschwerde vorbei.

Doch nun plant Tempelhof-Schöneberg eine dauerhafte Lösung.

Bisher zählt offiziell nur der schmale Bereich westlich neben der Kirche zum Markt, nicht aber der Gehweg östlich des Gotteshauses, sagt Marktleiterin Gudrun Schaubs. „Ich habe die Händler lediglich geduldet.“ Auch an anderen Stellen drücke sie mitunter ein Auge zu und stelle zum Beispiel Parkplätze, die eigentlich frei bleiben sollen, für Lieferwagen zur Verfügung. So etwas sei aber nur möglich, solange sich niemand beschwere.

Darauf mussten die Händler nicht lange warten. Die Stände an der Kirche stünden so dicht gedrängt, dass man nur schwer passieren könne, beklagte eine Schöneberger Anwohnerin. Manche „haben es übertrieben“, gibt Marktleiterin Schaubs zu. Zudem sei unerlaubt Alkohol ausgeschenkt worden. Fischverkäufer Fürgut sagt, er habe gewusst, dass die Stände auf provisorischen Flächen standen, und macht der Marktleitung keinen Vorwurf – zumal er für die Sonnabende einen Ersatzstandort westlich der Kirche erhalten hat. Mittwochs steht er ohnehin auf dem zentralen Teil des Platzes.

Die anderen vertriebenen Anbieter von kulinarischen Spezialitäten, Kunsthandwerk und Kleidung haben momentan weniger Glück, können jedoch auf den zuständigen Stadtrat Oliver Schworck (SPD) hoffen. „Der Winterfeldtmarkt ist eines der Highlights im Bezirk“, sagt er, es gebe eine „exorbitante Nachfrage“ von Händlern. „Auch wenn der Markt doppelt so groß wäre, müssten wir Anbieter ablehnen.“ Daher habe man die „Pseudo-Marktflächen“ an der Kirche „ausprobiert“. Doch auf die Beschwerde hätten Ordnungsamt und Marktleitung nun einmal reagieren müssen: „Wir können nicht so tun, als wenn nichts geschehen wäre.“

Ungeachtet dessen sei es denkbar, die Flächen zu „legalisieren“. Dafür müsse wohl der Gehweg zulasten der Fahrbahn verbreitert werden, was unter anderem die Zustimmung der Straßenverkehrsbehörde erfordere. Auch die katholische Gemeinde St. Matthias solle zu Wort kommen. Bisher gebe es seitens der Kirche keine Einwände gegen den Markt. Die Anwohnerbeschwerde war aber nicht die erste: Laut Schworck gab es immer wieder Proteste gegen Müll und Lärm. Genervt zeigten sich Nachbarn zum Beispiel über einen Blumenhändler, der als besonders lauter Marktschreier bekannt war – bis ihm der volle Stimmeinsatz vom Ordnungsamt untersagt wurde.

Mit dem Lärmproblem begründet der Stadtrat auch das Vorgehen der Marktleitung gegen mehrere Schüler, die Ende Mai am Rande des Platzes musiziert hatten, um Spenden für japanische Erdbebenopfer zu sammeln. Die hilfsbereiten Siebtklässler aus der nahen Sophie-Scholl-Schule und ihr Lehrer waren nach nur drei Musikstücken vertrieben worden. Schworck erwidert, die Schule hätte vorab eine kostenlose Erlaubnis einholen können. Dann „hätten wir allerdings deutlich gemacht, dass ein Schlagzeug einfach nicht geht“ und man „keine halbe Big-Band“ dulden könne. Das Gleiche gelte beispielsweise auch auf der Tauentzienstraße, wo Straßenmusik nur sehr begrenzt gestattet sei.

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