Berlin : Daddy Cool im Zeltpalast

Die Hits von Boney M. kommen am Donnerstag als Musical auf die Bühne

Lothar Heinke

„Dies hier ist eine Weltpremiere!“, sagt der Mann, „ich bin 40 Jahre im Geschäft, habe die Rolling Stones gemacht und Sammy-Davis-Konzerte veranstaltet, aber so eine Gigantomanie ist mir noch nie begegnet.“ Hermjo Klein holt tief Luft. Seine Augen wandern über die dunkelblaue Polyesterhaut des riesigen Zelts, das er, der Veranstalter des Musicals „Daddy Cool“, schlicht „Theaterpalast“ nennt. Der neue Musiktempel leuchtet weithin. Er steht etwas verloren im Brachland gegenüber der East Side Gallery an der Mühlenstraße, nebenan wächst die Anschutz-Arena – die tote Gegend belebt sich. In dem Superzelt soll kommenden Donnerstag „Daddy Cool“, das „Boney-M.-Kult-Musical“ Premiere haben. Die Handlung erinnert ein bisschen an die Westside-Story, die Crew ist eingespielt, sie hat in London mit dem Stück Begeisterung ausgelöst, „am Schluss“, sagt Hermjo Klein, „stand das Publikum auf, tanzte und sang“. Aber das Toben nach „Rivers of Babylon“, „Brown Girl in the Ring“ und anderen Hits von Boney M., Milli Vanilli, Eruption, La Bouche und No Mercy fand an der Themse im Saale statt, während den Berlinern für ihre Lustausbrüche ein neues Zelt-Theater hingebaut wird. Es hat den Durchmesser von 70 Metern, ist fast 24 Meter hoch und besticht durch eine 56 Meter breite Bühne. Während uns Hermjo Klein durch den Eingang schiebt, wird unter tausend Scheinwerfern das Drama zwischen Sunny und Rose angedeutet, die Liebe ist jedenfalls am Ende stärker, und dazu gibt es mindestens 30 Hits jener Gruppe, von der weltweit 800 Millionen Singles verkauft wurden. Musik und Tanz fahren in die Beine, wer will, kann in zwei Zelt-Ablegern unter 27 rotierenden Kugeln tanzen oder in einem Restaurant essen und trinken. „Das Ganze verdanken wir Frank Farian“, sagt der Veranstalter, „der Boney-M.-Vater als Produzent hat das alles selbst entworfen, von der Musik bis zu den 2000 roten Sesseln in der Arena. Sogar die Eingangsfassade hat er entwickelt“. „Man hätte das alles auch in Dubai machen können“, sagt Klein, aber „Frank hatte den Traum, mit einem eigenen Theater nach Berlin zu gehen. Berlin hat ihm Glück gebracht. Hier hat nämlich alles angefangen.“

Bis 24. Juni. Karten unter 01805-570000 oder im Netz bei www.eventim.de

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