Berlin : Dämpfer für die SPD

Sozialdemokraten verlieren Direktmandate an CDU und Grüne

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Strichweise weiter. Ein Wahlhelfer streicht am Sonntag die abgegebenen Stimmen in einem Wahllokal. Rund 2,47 Millionen Berliner waren zur Wahl aufgerufen. Foto: dpa
Strichweise weiter. Ein Wahlhelfer streicht am Sonntag die abgegebenen Stimmen in einem Wahllokal. Rund 2,47 Millionen Berliner...Foto: dpa

Auf ganz Berlin bezogen, musste die SPD bei der Wahl am Sonntag zwar nur leichte Einbußen hinnehmen. Schaut man sich die einzelnen Bezirke und Wahlkreise genauer an, gab es jedoch einige deutliche Dämpfer für die Sozialdemokraten. Den symbolisch wohl bedeutsamsten Rückschlag erlebte die Partei im Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf 5 bei den Erststimmen, mit denen Kandidaten direkt ins Abgeordnetenhaus gewählt werden: Hier kandidierte erneut der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) direkt – und scheiterte überraschend. Konnte Wowereit bei der Wahl 2006 seinen Wahlkreis noch mit 40,5 Prozent gegen den CDU-Herausforderer Peter Schwenkow verteidigen, jagte ihm diesmal der neue CDU-Kandidat, Rechtsanwalt Claudio Jupe, das Direktmandat rund um die wohlhabenden Ortsteile Halensee und Grunewald mit 37,8 Prozent der Erststimmen ab. Wowereit lag mit 36,8 Prozent um einen Punkt dahinter. Auch in mehreren anderen Wahlkreisen verlor die SPD Direktmandate, mal an die CDU, mal an die Grünen.

Die Grünen legten bei den Direktmandaten besonders stark zu: Holten sie bei der vergangenen Wahl noch fünf Wahlkreise direkt, sah es am Sonntagabend nach der Auszählung der meisten Wahlkreise so aus, als könnten sie diese Zahl diesmal sogar verdoppeln. Dafür konnte die SPD wiederum den Linken einige symbolisch bedeutsame Direktmandate streitig machen, so drei in der einstigen Linken-Hochburg Lichtenberg.

Wie stark sich die politische Landkarte Berlins verschoben hat, zeigte auch ein Blick auf die regionale Verteilung der Zweitstimmen, die über die Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses entscheiden. Schaut man sich die bis zum späten Sonntagabend ausgezählten Zweitstimmen an, fallen vor allem zwei deutliche Veränderungen auf: Die CDU konnte die Zahl der Bezirke verdoppeln, in denen sie die meisten Zweitstimmen erhielt. Neben ihren traditionellen Hochburgen Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf, wo die Union bereits in der Vergangenheit führte und jetzt 36,2 Prozent beziehungsweise 38,5 Prozent erreichte, kamen jetzt auch Spandau und Tempelhof-Schöneberg dazu, wo die CDU der SPD den Rang der stärksten Partei ablief und 34,2 beziehungsweise 28,9 Prozent der Zweitstimmen bekam.

In Friedrichshain-Kreuzberg büßte die SPD ebenfalls den ersten Platz bei den Zweitstimmen ein: Hier erreichten die Grünen, die als einzige Partei in allen Bezirken bei den Zweitstimmen zulegte, mit 30,2 Prozent ihr stadtweit bestes Zweitstimmen-Ergebnis und verwies die SPD, die nur noch 23,9 Prozent erreichte, auf den zweiten Platz.

Die Sozialdemokraten wiederum überholten in zwei östlichen Bezirken die bisher erstplatzierte Linkspartei bei den Zweitstimmen. In Marzahn-Hellersdorf und in Lichtenberg fuhr die SPD die meisten Zweitstimmen ein (28, 2 und 30,9 Prozent) und verwies die Linke auf den zweiten Platz, die 5,2 bzw. 6,6 Prozentpunkte einbüßte. Dies sind die beiden einzigen Bezirke, in denen die SPD bei den Zweitstimmen zulegte, ansonsten verlor sie überall.

Starke regionale Unterschiede gab es auch bei den Piraten. Während sie in Friedrichshain-Kreuzberg mit 14,7 Prozent der Zweitstimmen ihr berlinweit bestes Ergebnis erreichten, gaben der neuen Partei in Steglitz-Zehlendorf nur 6,4 Prozent der Wähler ihre Stimme.

Die rechtsextreme NPD wiederum bekam in Treptow-Köpenick 4,1 Prozent der Zweitstimmen, in Marzahn-Hellersdorf 4,0 sowie in Neukölln 3,1 Prozent, aber blieb in den meisten anderen Bezirken zwischen ein und zwei Prozent.

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