Berlin : Dagobert auf Graffiti-Jagd

Arno Funke, der ehemalige Kaufhaus-Erpresser, spielt wieder in einem Film mit. Nicht als Ganove, sondern als Bahnchef

Christian van Lessen

Vielleicht war es nicht der richtige Film für Dagobert, als er vor der Kamera stand, für den Fernsehsender Channel 4 in London. Es war zwar eine Hauptrolle, und Arno Funke alias Dagobert spielte als Laiendarsteller durchaus glaubwürdig. Nur – es war eine Schurkenrolle. Da hatte ihn, vor gut zwei Jahren, die Vergangenheit als Ganove, als übler Kaufhaus-Erpresser wieder geholt.

Das schadete, wenn auch nur wenig, seinen hohen Sympathiewerten in der Öffentlichkeit. Er gilt als geläutert, gutmütig, schlitzohrig. Nun aber darf der ehemalige Ganove auch im Film endlich der (halbwegs) Gute sein. Er jagt, wenngleich als etwas zwielichtiger Chef der Bahnbetriebe, Graffiti-Schmierer. Im Streifen „Moebius 17“, der am Ostersonntag im Kino International an der Karl-Marx-Allee Premiere hat, wirken fast schließlich Graffiti-Sprüher mit. Kein Wunder, die Idee zum Film stammt vom Graffiti-Sprayer Esher (Frank Lämmer), der in der Szene als Star gilt.

Da verschwindet dann eine besprühte U-Bahn mit der Nummer 17,was so rätselhaft ist wie der Film, eine Sonderkommission der Städtischen Betriebe durchkämmt den Untergrund, und Arno Funke ist dabei. Nach 60 Minuten Schwarzweiß ist alles mehr oder weniger aufgeklärt.

Fürs Filmen hatte sich Dagobert schon früh interessiert, drehte in seiner Jugend mit einer Super-8-Kamera. Und gezeichnet hat er auch gern. Noch im Gefängnis – er war zu neun Jahren Haft verurteilt, aber 2000 vorzeitig entlassen worden – illustrierte er für das Satiremagazin Eulenspiegel. Vor zwei Jahren stellte er sein Karikaturenbuch „Ente kross“ vor.

Ob es um seine Beteiligung an Drehbüchern ging, um seine Biografie („Mein Leben als Dagobert“), stets kam die Vergangenheit hoch. Dabei wollte er sie vergessen. Im Jahr 1988 hatte er vom KaDeWe 500 000 Mark erpresst. Mit der Kleinanzeige „Dagobert grüßt seine Neffen“ deutete der Konzern Verhandlungsbereitschaft an. Funke wurde Dagobert. Mit Bombendrohungen und Anschlägen erpresste er das Unternehmen Karstadt zwischen 1992 und 1994 um 1,4 Millionen Mark. Statt Geld bekam er Blüten. Er trickste und wurde ausgetrickst. Im April 1994 ließ er sich, ermattet vom Katz-und- Maus-Spiel, in einer Telefonzelle festnehmen. Und die Öffentlichkeit erfuhr, dass er einst als Lackierer gearbeitet hatte, dass die Dämpfe ihm nicht bekommen waren, ihn depressiv machten.

Das scheint lange her. Arno Funke weiß, dass er den Dagobert sein Leben lang nicht mehr los wird, auch wenn er in Filmen noch so viele Gute spielen darf. Zur Premiere wird er wieder viel erzählen müssen. Vielleicht ist es wieder nicht der richtige Film.

0 Kommentare

Neuester Kommentar