Berlin : Daimler für Straßenbenennung nach Zwangsarbeiterin

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Aus der Planstraße D zur künftigen Vertriebszentrale von Daimler am Ostbahnhof wird die Edith-Kiss-Straße. Den Vorschlag des Autokonzern, die Straße nach Berta Benz oder Mercedes Jellinek zu nennen, hat die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg abgelehnt. Jellineks Vater hatte im Jahr 1900 bei Daimler 36 Autos bestellt und diese nach seiner Tochter benannt. Daraus wurde später der geschützte Markenname Mercedes, den Daimler-Benz für seine Autoproduktion übernahmen. Die aus Budapest stammende jüdische Bildhauerin Edith Kiss war als Insassin des KZ Ravensbrück in der Nazizeit als Zwangsarbeiterin bei Daimler in dessen Werk in Ludwigsfelde eingesetzt. Der Namensvorschlag kam von den Piraten.

Benz und Jellinek waren als Namensgeber abgelehnt worden, weil die zuständige Kommission der Ansicht war, diese mit der Autoproduktion verbundenen Namen seien angesichts der Kritik am Mediaspree-Projekt, zu dem auch die neue Vertriebszentrale von Daimler gehört, „kein gutes Signal“. Der Vorschlag, die Straße nach der Mercedes-Test- und Rennfahrerin Ernes Merck zu benennen, fand bei Daimler keinen Gefallen. Dieser Name erschließe sich nur schwer, hatte der Konzern argumentiert.

Gegen die Edith-Kiss-Straße wendet Daimler nichts ein. Es sei wichtig und richtig, den Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken. Daher unterstütze der Konzern die Entscheidung der Bezirksverordnetenversammlung, sagte Sprecher Andreas Bösche. Am Potsdamer Platz, den Daimler verlässt, hatte es der Konzern als damaliger Bauherr einfacher. Da die meisten Straßen dort als Privatstraßen eingestuft sind, konnte er seine Namensvorstellungen ungehindert durchsetzen. Klaus Kurpjuweit

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