Berlin : Daimler-Manager Manfred Gentz

-

Etwas Jungenhaftes ist an ihm – trotz des weißen Haarschopfs und einer großen Ernsthaftigkeit. Dafür, dass er lange Jahre in der Götterburg der DAXHerrscher saß, wirkt der hoch gewachsene Manfred Gentz ungewöhnlich bescheiden. Dabei hätte der Jurist mit seinen Prädikatsexamina an der FU allen Grund, sich als stolzes Alpha-Tier zu gerieren.

Der Mann, der eigentlich in die Wissenschaft wollte, hat fast 35 Jahre die Geschichte von Daimler-Benz mitgestaltet. Vom Trainee (1970) bis zum Vorstandsmitglied Personal (1983), als Vorstandsvorsitzender der Dienstleistungstochter debis in Berlin (1990) und schließlich als Vorstand für Finanzen und Controlling beim Weltkonzern DaimlerChrysler (1998). Bis ganz weit oben hat er es gebracht. Nur ganz an der Spitze sitzt einer, der seinen Thron eisern verteidigt.

Beim Rückblick auf sein Leben „beim Daimler“ erinnert er sich an die vielen „Chefs“, die in Stuttgart geherrscht haben: Zahn, Prinz, Breitschwerdt, Reuter und Schrempp. „Es war immer spannend“, sagt er, und was für „dramatische Veränderungen“ es gegeben hat! Vom noblen deutschen Autobauer zum globalen Technologie-Konzern und „zurück zu den Wurzeln“, dem Autobau – nur heute rund um den Erdball. „Ein wenig“, sinniert er, „ist man dabei sicher auch Strategie-Moden gefolgt.“ An das „Desaster AEG“ erinnert er und an die Firmen Fokker und DASA, die auf der Strecke geblieben sind. Berlin ist für seine Familie, aber auch für die Firma ein eigentliches Zuhause. In Marienfelde steht das älteste aktive Werk von Daimler, älter als das in Untertürkheim. Die Entscheidung für den Potsdamer Platz war schon vor der Mauer gefallen. Das Engagement hat sich gelohnt. Für die erfolgreichen Dienstleistungen hat Renzo Piano dort eine eindrucksvolle Büro-Kathedrale gebaut.

Das Leben von Manfred Gentz wäre unvollständig beschrieben, wenn man sein Engagement als Sprecher der „Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft – Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ ausließe. Beim Verfassen der 100-Jahre-Jubiläumsschrift war man auf die große Bedeutung gestoßen, die die Zwangsarbeiter für das Unternehmen in den Kriegsjahren hatten. Vor die Alternative gestellt „Weglassen oder Aufarbeiten“ war seine klare Entscheidung: für die Verantwortung.

Was bringt nun die Zukunft nach dem Abschied von Daimler? Zum Präsidenten der deutschen Gruppe in der Internationalen Handelskammer in Paris ist er erkoren. Präsident der Zürich-Versicherung soll er demnächst werden.

Aber Gentz wird wohl mit seiner Frau in Nikolassee bleiben. Sie ist Anwältin, die drei erwachsenen Töchter sind bereits „ausgeflogen“. Sein Engagement für Kunst und Kultur hat ihm viele Ehrenämter eingebracht: an der Bach-Akademie, am Hebbeltheater, in der Hanns Martin Schleyer Stiftung oder der TU. Bei Daimler schon war er verantwortlich für die Kunstsammlung. Nur zögernd nennt er die vielen Ehrenämter und Orden. Ein bescheidener Mann eben.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegel

Manfred Gentz (63),

geboren in Riga. Der promovierte Jurist war

zuletzt Vorstand für Controlling und Finanzen bei der Daimler- Chrysler AG.

Diverse Ehrenämter und Auszeichnungen.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben