Berlin : Damit Fahrgäste nicht nur Bahnhof verstehen

Das Leitsystem der neuen Zentralstation soll komplett überarbeitet werden

Klaus Kurpjuweit

Im vor drei Monaten eröffneten Hauptbahnhof wird das Wegeleitsystem komplett überarbeitet. Nach wie vor finden viele Fahrgäste nur schwer ihr Ziel. Vor allem Ortsunkundige, die zur Weiterfahrt einen Bus der BVG suchen, werden allein gelassen. Derzeit sei man auf der Suche nach einem „idealen Leitsystem“, heißt es bei der Bahn. Bis die Verbesserungen installiert sind, könne es aber noch ein Weilchen dauern.

Nur zwei kleine Schilder an den Ausgängen weisen in dem riesigen Gebäude den Weg zu den Bussen. Doch das eigentliche Problem beginnt vor der Tür. Wer erwartet, am Ausgang einen Bus zu finden, sieht sich getäuscht. Die Haltestellen befinden sich weit weg vom Bahnhof und sind nur schwer zu sehen. Denn die BVG wollte mit ihren Bussen nicht direkt vor den Bahnhof fahren, weil sie dann zu oft die Fahrtrichtung wechseln müssten. Zu ergänzenden Haltestellenhinweisen auf den – busfreien – Vorplätzen hat es aber ebenfalls nicht gereicht.

Keine Information gibt es derzeit ferner zu der Möglichkeit, die Bushaltestellen auf der Nordseite der Invalidenstraße direkt zu erreichen – über den Zugang zur U-Bahn, deren Tunnel unmittelbar zur Bushaltestelle führt. Wer dies nicht weiß, nimmt den oberirdischen Weg auch durch Wind und Regen.

Ähnlich sieht es auch im neuen Bahnhof Südkreuz (früher Papestraße) in Tempelhof-Schöneberg aus. Weil das Bezirksamt nicht rechtzeitig mit dem Bau einer neuen Verbindungsstraße vom Sachsendamm zur General-Pape-Straße fertig geworden ist, können die Busse nicht zur vorgesehenen Haltestelle fahren. Hinweise auf den provisorischen Stopp sind jedoch rar und fehlen – wie am Hauptbahnhof – auf dem Vorplatz ganz. Immerhin soll der neue Straßenabschnitt Ende Oktober fertig werden.

Doch auch Autofahrer werden bisher nicht wie vorgesehen informiert. So gibt es zwar zum ersten Mal auf einer Autobahn dort Hinweisschilder zum „Autofahrerbahnhof“ Südkreuz, aber auf dem Sachsendamm, der als Zubringer fungiert, fehlen sie. Das Bezirksamt habe die bereits im Januar angeordneten Hinweisschilder bis heute nicht angebracht, klagt die Bahn. Sie hat jetzt auf einem Baustellengrundstück ein eigenes Schild als Provisorium aufgestellt, damit Autofahrer den Weg zum Bahnhof finden. Denn am Südkreuz gibt es Parkflächen direkt über den Gleisen. 202 Autos finden dort Platz. Genutzt werden die Flächen bisher in bescheidenem Umfang – was sicher nicht nur an den fehlenden Hinweisen, sondern auch am mangelnden Komfort liegt.

Weil bisher nur ein Parkdeck fertig ist, gibt es auch keinen Aufzug zu den Bahnsteigen, sondern nur Treppen mit mehr als 60 Stufen. Aufzüge sind lediglich zu den beiden Vorplätzen vorhanden; einer davon ist seit Längerem defekt. Zu den Bahnsteigen werden die Aufzüge erst eingebaut, wenn das Parkhaus aufgestockt worden ist. Dafür sucht die Bahn noch einen Investor. Zu dem zweiten Parkdeck im Norden fehlt sogar noch die Zufahrt. Sie kann aber erst gebaut werden, wenn die General-Pape-Straße verlegt worden ist.

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