Berlin : Damit kann man nie früh genug anfangen (23): Geschenke kennzeichnen

Esther Kogelboom

Irgendwo auf dem Land wohnt eine liebe Oma, die drei Enkelinnen hat. Seit deren Geburt bekommen Petra (20), Steffi (25) und Magda (26) jedes Jahr eine so genannte "Garnitur" geschenkt, das bedeutet: ein Unterhemd und ein Unterhöschen, farblich aufeinander abgestimmt, aus dem örtlichen Miederwarengeschäft. Petra ist hochgewachsen und gertenschlank (Größe 38), Steffi hat ein bisschen Speck auf den Hüften (Größe 42) und Magda eine tendenziell knabenhafte Figur (Größe 34). Die liebe Oma packt die Garnituren jedes Jahr am 23. Dezember in die Weihnachtstüten vom Vorjahr. Dazu kommen noch Apfelsinen und Walnüsse und eine Karte. Die Tüten sehen identisch aus. Und so gibt es, seit die Grazien denken können, jedes Jahr das gleiche Spiel: Noch nie hat es die liebe Oma nämlich geschafft, dem richtigen Frollein die richtige Tüte auszuhändigen. Das bedeutet, dass Steffi zum Beispiel Martas Unterwäsche auspackt, und sich tierisch aufregt, weil sie die "eingelaufenen Dinger" als Hinweis auf ihre Körperfülle versteht. Oder, dass Petra Steffis Garnitur kriegt und mit großen Kulleraugen fragt: "Oma, findest du mich zu dick?" Und so weiter. Die Enkelinnen könnten darüber lachen, finden Sie? Tun sie aber nicht. Statt dessen breiten sich Missgunst und Minderwertigkeitsgefühle aus. Wenn Sie also heute die Geschenke einpacken, achten Sie nicht nur auf das Dessin des Papiers und die richtige Schleifenband-Sprungkraft. Schreiben Sie einfach den Namen des Empfängers unauffällig irgendwo hin. Und gucken Sie morgen ganz genau hin.

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