Berlin : Damit kann man nie früh genug Anfangen (6): Besuchsplan aufstellen

Esther Kogelboom

Großtante Anna wohnt unter einem Dach mit Oma Anna und Opa Johann. Großtante Maria wohnt alleine im Heim. Oma Lissi wohnt mit Mami und Papi zwei Stunden entfernt im Uckermärkischen. Tante Astrid und Onkel Theo leben in Porta Westfalica, die Schwiegereltern besitzen ein entzückendes Haus im Bayerischen Wald. Die einzelnen Parteien verstehen sich untereinander nicht besonders gut. Und doch haben sie eines gemeinsam: Alle wollen von Ihnen zwischen dem 24. und 26. Dezember besucht werden. Davor oder danach gilt nicht. Und stellen Sie sich mal das Gesicht von Großtante Maria vor, wenn Sie erst am zweiten Weihnachtstag gegen 20 Uhr mit schwarzen Schatten unter den Augen sowie einem zerknitterten Weihnachtsstern im Heim auftauchen! Nein, die Koordination von Verwandtenbesuchen ist ähnlich sensibel wie Koalitionsverhandlungen. Oder haben Sie Ihren Schwiegereltern schon mal unverhandelbare Punkte angeboten? So im Stil von: "Wir kommen am 24. um 15 Uhr, und basta, verdammt nochmal. Ja, wir freuen uns schon tierisch"? Das kommt gar nicht gut an. Also sollten Sie heute mit dem verwandtschaftlichen Feintuning beginnen. Besprechen Sie alles mit Ihrem Lebensabschnittspartner. Bleiben Sie ruhig und geben Sie genau einmal nach. Dann telefonieren Sie einen Tag in der Gegend rum, fragen Wünsche ab, äußern Wünsche und notieren alles fein säuberlich auf einer Tapetenrolle. Anschließend, und das ist wirklich wichtig, rufen Sie bei der Bahn an, lassen sich eine hübsche Tour zusammenstellen, bestellen die Fahrkarten und reservieren Tischplätze im Großraumwagen. Schicken Sie den Verwandten Kopien der Reiseroute, wenn Sie vom Bahnhof abgeholt werden wollen. Machen Sie das alles noch heute! Und dann lehnen Sie sich zurück. Basta. Verdammt nochmal.

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