Berlin : Dan Coats: PDS nicht unfair behandeln

cvm/rvr

Die Bildung eines rot-roten Senats und die Ernennung des PDS-Politikers Gregor Gysi zum Wirtschaftssenator haben amerikanische Investoren verunsichert. US-Botschafter Dan Coats sagte im Interview mit dem Tagesspiegel: "Investoren haben uns Fragen gestellt, was von dieser neuen Regierung zu erwarten ist. Und unsere Antwort war: Das kann nur die Zeit zeigen. Man fragte uns, ob die Situation vergleichbar sei mit der Lage, als Nixon nach China reiste, um eine Öffnung zu erreichen? Und ob Gregor Gysi investorenfreundliche Politik nur anbiete, weil es ihm um eine Stärkung seiner Partei gehe? Meine Antwort war: Ich kann keine Garantien geben, die Unternehmen müssen es selbst herausfinden. Es wäre unfair, die PDS und Senator Gysi an ihrem früheren Programm zu messen."

Dan Coats hat seinen Posten in Berlin Anfang September 2001 angetreten, wenige Tage vor dem Anschlag auf das World Trade Center. Ein überzeugter Konservativer aus Indiana, einem Kernland der Republikanischen Partei; einer, der für George Bushs Vizepräsidenten Dan Quayle arbeitete und gegen Clintons Öffnung des Militärs für Homosexuelle kämpfte. Für ihn sei es jedoch kein Kulturschock, nun in einer Stadt zu leben, deren Bürgermeister sich als Schwuler geoutet hat und mit Ex-Kommunisten eine Koalition eingeht, sagt er lachend. "Wir wussten, bevor wir kamen, wie vielfältig das Leben in Berlin ist."

Die USA werden die Vereinbarung über ihre Investition, den Bau der Botschaft, binnen kurzem abschließen. Es gebe keine grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten mehr. Wenige Änderungen an den Plänen seien nötig wegen der Sicherheitsanforderungen. Im Jahr 2003 soll mit dem Bau begonnen werden, sagt Coats, er rechnet mit einer Dauer von zwei Jahren. Die heutige Botschaft in der Neustädtischen Kirchstraße werde auf jeden Fall aufgegeben. "Im Neubau der US-Botschaft wird genug Platz sein, um alle Botschaftsfunktionen unterzubringen."

Als "Lieblingsort in Berlin" hat Coats den Grunewald samt dem Grunewaldsee entdeckt. Die Kinder sind aus dem Haus. "Wir sind nur noch zu dritt mit unserem Hund. Der kann dort schwimmen und andere Hunde kennen lernen." Und was ist die größte Überraschung? "Wie einfach das Einleben in Deutschland war. Die Beziehung zu Deutschland sind für die USA einzigartig, vor allem wegen der Geschichte. In meinem Heimatstaat Indiana sind 30 Prozent der Einwohner deutschstämmig."

Coats ist kein ausgewiesener Deutschland-Kenner wie sein Vorgänger John Kornblum. Um das wettzumachen, will er "möglichst viele Deutsche treffen und möglichst viel durch Deutschland reisen. Wir freuen uns auf alles - von der Hochkultur bis zum normalen deutschen Alltag."

In den ersten Wochen nach dem 11. September musste er auf die geplanten Reisen durch deutsche Lande verzichten. "Allmählich kehrt so etwas wie Normalität ein." Auf der Deutschlandkarte zu Hause gibt es mehr und mehr Fähnchen, wo er und seine Frau schon waren: "Mehr als zwanzig Städte, zwei Drittel der Bundesländer." Und sein Deutsch? "Nicht so gut", sagt er ohne zu zögern auf Deutsch. Aber er arbeite daran.

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