Berlin : Dancing in the rain

Wie sich die „Tanzguerilla“ durch die Stadt bewegt

Jessica Claire Reiss

Es ist kalt, dunkel und nass an der Straßenbahnstation Greifswalder Straße. Die Leute verkriechen sich unter das Dach der Haltestelle. Doch eine Gruppe junger Leute schaltet ihren Ghettoblaster an, und tanzt ausgelassen über den Bahnsteig. Die meisten Wartenden haben dafür kein Verständnis: Einige drehen den Tanzenden ihren Rücken zu und andere starren stur gerade aus.

Gesine Petersen lässt sich davon ihren Spaß nicht nehmen. Die 27-Jährige ist die Initiatorin der seit April 2003 bestehenden „Tanzguerilla“. Ihr Ziel ist es, die Menschen aus ihrem Alltagstrott zu reißen, und sie zu animieren, sich ihr anzuschließen. Für Gesine bedeutet Tanzen in der Öffentlichkeit ein „Gefühl der Revolution“. Und damit scheint sie nicht allein zu sein. Jedes Mal machen neue Leute mit.

Die Linie 3 fährt ein, und die tanzende Gruppe springt hinein, begleitet von der Titelmusik zu „Mission Impossible“. Justus Meyer und Franz Schubert amüsieren sich offen über die Courage der Tänzer. Die beiden Schulfreunde sagen, dass sie so etwas „vielleicht auch mal machen“ würden, schließlich sei Bahnfahren „langweilig genug“. Regina Wenzel schaut begeistert zu. Sie dachte zunächst, „dass die Tänzer Geld einsammeln wollen“. Doch das Gespräch, das sich zwischen einigen Fahrgästen entfacht, ist der Tanzguerilla Bezahlung genug. Die Zuschauer sind sich schnell einig: „So etwas könnte es ruhig öfters geben.“

Gesine Petersen erzählt gerne über außergewöhnliche Erlebnisse: „Einmal hat ein älterer Herr spontan angefangen mitzutanzen. Und ein anderes Mal hat uns eine ältere Dame Pralinen geschenkt.“ Und obwohl das heute eher unwahrscheinlich zu sein scheint, haben die sechs noch nicht genug.

Trotz des starken Regens tanzt die Tanzguerilla auf dem Brunnen am Alexanderplatz weiter. Ab und an bleiben Leute stehen und schauen begeistert zu. Ein Passant ruft den sechs im Vorbeilaufen zu: „Toll. Ihr solltet hier zu einer ständigen Einrichtung werden und gegen Bezahlung tanzen.“ Und obwohl die sechs am Ende völlig durchnässt sind, freuen sie sich schon auf ihre nächste Aktion - und in einem Punkt sind sie sich alle einig: „Im Sommer wird es noch viel besser!“

www.tanzguerilla.de

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