Berlin : Daniela Sauter: Mittelmaß ist unausstehlich

Christine-Felice Röhrs

Daniela Sauter ist keine, die schon als kleines Mädchen ihre Puppen mit Sandkuchen bewirtete. Niemand hätte gedacht, dass die selbstbewusste Frau einmal in einem Metier landet, in dem man sich selbst sehr zurücknimmt und den Kunden zum König erklärt. Sie selbst am wenigsten. "Zur Hotellerie bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kinde", lacht die 40-Jährige heute, nachdem sie am Donnerstagabend von der Verlagsgruppe Deutscher Fachverlag zum "Hotelier des Jahres" ernannt wurde. Und zwar für ihren Erfolg bei der Führung der Berliner Luxusherberge "Brandenburger Hof" - sie hat das kleine Privathotel, das im Besitz ihrer Eltern ist, zu einem deutschlandweit bekannten 5-Sterne-Haus gemacht.

Die völlig untypische Karriere der heutigen Hotelchefin begann mit einem Betriebswirtschaftsstudium in München, wo Daniela Sauter auch geboren ist. Nach dem Uni-Abschluss leitete sie von 1984 bis 1989 Softwareschulungen in Unternehmen, machte Controlling und Buchhaltung und hatte mit dem Geschäft am Gast nichts am Hut. Doch schon zu dieser Zeit, noch ohne dass Daniela Sauter davon wusste, begann eine 180-Grad-Wende in ihrem Leben: Danielas Bruder Peter, ein Architekt, entdeckte 1980 in der Eislebener Straße in Wilmersdorf ein klassisches wilhelminisches Stadtpalais. Im Familienrat wurde beschlossen, den schönen Bau in ein Hotel zu verwandeln. 1987 begannen die Umbauten, der Vater Richard Sauter, ein Münchner Architekt, fungierte als Bauherr. Und die damals 29-jährige Daniela wurde auf seine Bitte hin plötzlich zur Luxushotel-Direktorin - eine Aufgabe, in die sie sich gerade wegen ihrer völligen Unkenntnis entschlossen hineinstürzte: "Die Herausfoderung hat mich gereizt. Also habe ich in Kursen Hotel-Management gelernt", sagt Sauter, die seit September auch Deutschlandchefin der Luxus-Hotel-Kooperation "Relais & Chateaux" ist. Ganz praktische Kenntnisse, wie zum Beispiel das professionelle Decken der Tische, hat sie sich nicht angeeignet. "Bei uns zu Hause wurde die Tafelkultur sehr gepflegt, wir hatten immer viele Gäste. Da wusste ich instinktiv, worauf es ankam." Instinktiv erkannte Daniela Sauter auch die Bedeutung kulinarischer Genüsse als Marketing-Instrument: Seit Jahren hütet das integrierte Restaurant "Quadriga" einen der begehrten Michelin-Sterne.

Daniela Sauter war erst sechs Monate im Amt, da wusste sie schon: Der Brandenburger Hof würde "Sinn des Lebens, Berufung und Hobby zugleich" - was bei der Blondine mit der tiefen, rauen Stimme nicht pathetisch klingt. Bald zog sie in eine Wohnung gleich gegenüber des Hotels. Seitdem läuft sie jeden Morgen um neun Uhr hinüber, oft in pastellfarbenen Kostümchen, wie Beobachter berichten, und bleibt bis mindestens 23 Uhr. Heirat oder Kinder? "Bis jetzt keine Zeit". Auch die Hobbies - "Kunst, Oper, Konzert und intelligente Gespräche" - kämen zu kurz, wenn die Chefin sie nicht ins eigene Haus holte: Sie veranstaltet Hauskonzerte, bittet Künstler zu geselligen Abenden. Und an die "Tafel der 13" lädt sie drei Mal im Jahr Prominente aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur zur Diskussion über ein vorgebenes Thema.

Um weitere Ideen ist Daniela Sauter auch nach zehnjähriger Routine nicht verlegen: Bald will sie 21 "Deluxe-Zimmer" neu gestalten. Und spätestens in zehn Jahren möchte sie ein Schlosshotel auf dem Land eröffnen, mit 25 Zimmern und einem Gourmetrestaurant. Gemäß ihrem Lebensgrundsatz: "Mittelmaß ist einfach unausstehlich."

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