Berlin : Dank an Gott fürs Arbeitslosengeld Gottesdienst in der Heilsarmee

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„Halleluja!“, jubelt es fröhlich gestern Vormittag in der Potsdamer Straße 187. Das ist die Adresse des Schöneberger Korps der Heilsarmee. Gut die Hälfte der insgesamt etwa 60 Mitglieder fand sich dort gestern zum Gottesdienst zusammen. Etliche in der Uniform dieser „Religionsgemeinschaft des öffentlichen Rechts“, die in Berlin 1890 in einer Privatwohnung in der Friedrichstraße ihren Ausgang nahm. Knapp 200 gehören heute in vier Berliner Korps dazu – „die Uniform schreckt viele ab“, vermutet der Schöneberger KorpsLeiter, Major Reinhold Walz. Dabei dürfen Uniform nur die tragen, die das Gelübde abgelegt haben, dem Alkohol und dem Nikotin zu entsagen. Das erzählt der ordinierte Geistliche und gelernte Kaufmann, den es aus dem Schwäbischen nach Berlin gezogen hat, aber erst nach dem Gottesdienst. Der ist ungewöhnlich lang, vergeht aber schnell mit Blasmusik, einzelnen und gemeinsamen Gebeten – auch einem für die Schulanfängerin Samantha – und mit vielen Liedern.

„Völlig bin ich dir ergeben, dir zu dienen gern und treu, ich will zeigen hier im Leben, dass dein Heil macht froh und frei“, singt die Gemeinde mit voller Stimme im stickig warmen Saal. An der Stirnseite ein hölzernes Pult mit einem Kreuz, an der Wand dahinter das Wappen der Heilsarmee – „Blut und Feuer“ steht darauf. Bei dem Lied „Mein Jesus, mein Retter, keiner ist so wie du“, stehen einige auf. Eine junge Frau singt inbrünstig und mit geschlossenen Augen. Ihr kleiner Sohn neben ihr hält einen Stoffhasen fest im Arm. Später muss seine Mutter ihn fast zur Sonntagsschule mit den anderen Kindern zerren – der Steppke wollte lieber den Blasmusikern helfen. Einer davon heißt Michael und ist gerade bei der Bundeswehr. Im Gottesdienst gehört er gestern zu denjenigen, die vor der Gemeinde Zeugnis ablegen, wie ihnen in der vergangenen Woche Gott begegnete.

Nach seinem dritten 30-Kilometer-Gepäckmarsch nicht wieder krank zu werden, hat der junge Bundeswehrsoldat Gott gebeten – und der half. Dem gestern auf die Pauke hauenden Heilsarmeemusiker Andreas Bargel zeigte sich Gott auf dem Arbeitsamt. Das bewilligte dem arbeitslosen PR-Mann nach etlichen bürokratischen Hürden ein Arbeitslosengeld – „Gott sorgt für mich“, dankt er ihm dafür gestern. „Ihr lieben Leute, ihr könnt euch freuen, dass ihr an Gott glaubt“, spricht später in seiner Predigt Reinhold Walz allen aus dem Herzen. hema

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