Berlin : „Danke, danke, danke!“

Der Glanz der Anderen: Bei der Lola-Gala feierte der deutsche Film sich selbst

Andreas Conrad

Ja, so könnte ein potenzieller Lola-Preisträger sich vorbereiten auf seine Dankesrede: An der Kasse des Supermarktes nicht einfach still den Einkauf bezahlen, sondern zu jubeln beginnen, „Danke, danke, danke! Das ist ja Wahnsinn. 100 Gramm Salami, ein Stück Butter, ein halbes Pfund Tomaten für 2 Euro 99. Ich hätte nie damit gerechnet, diesen Preis zu bekommen.“ Der so Trainierte wäre jeder Auszeichnung gewachsen und sein Jauchzen so unterhaltsam wie das, wofür er seine Lola bekam.

Aber leider, Moderator Michael Bully Herbigs Rat kam zu spät, niemand hatte geübt, jedenfalls nicht an der Supermarktkasse, und so blieb es gestern Abend bei der Gala des Deutschen Filmpreises in den Messehallen am Hammarskjöldplatz doch überwiegend bei den gewohnten weitschweifigen Danksagungen, an die Jury, die Filmförderungsanstalt, das wundervolle Team, den noch wundervolleren Lebenspartner – bloß keinen auslassen!

Spontanes Jauchzen dagegen, die Überwältigung durch so viel Ehre, war selten, Preisträger wie Hannah Herzsprung daher um so erfrischender, wie sie, soeben für „Das wahre Leben“ als beste Nebendarstellerin geehrt, kaum Worte fand – „So, jetzt mach ich mich erst mal locker... Geht nicht, egal“ – und damit doch genau den richtigen Ton traf. Oder wie sie später vor Begeisterung aufsprang, als nicht sie für „Vier Minuten“ als beste Hauptdarstellerin geehrt wurde, sondern ihre Filmpartnerin Monica Bleibtreu. Deren Sohn Moritz dagegen: sichtlich ergriffen, sammelte es sich da etwa feucht in den Augenwinkeln?

Und vor allem Monica Bleibtreu selbst, die nun auch noch Geburtstag hatte, vom Publikum mit einem spontanen Ständchen geehrt wurde und nun zu einer „Dankesrede der etwas anderen Art“ ansetzte. Nämlich vor allem gegenüber ihrem Sohn, weil der ihr mit seinem Humor erst zum richtigen Schauspielern verholfen habe und sie so zu sich gefunden habe. „Wenn einer es schafft, zu seiner Einmaligkeit durchzudringen, schaffen wir es auch, einmalige Filme zu machen.“

Ja, das war einer der leider gar nicht so zahlreichen Höhepunkte der zweistündigen Veranstaltung, und man bekam endlich wieder eine Ahnung, dass Filme doch mit Leben zu tun haben und nicht nur mit glamourösen Ritualen, gestelzten Danksagungen und dazwischen gestreuten Späßchen von Herbig und anderen Beteiligten, die das Programm auflockern sollten, aber den Unterhaltungswert der gezeigten Filme allzu oft bei weitem nicht erreichten. Denn wären die nicht weitaus besser, ließe sich wirklich nicht verstehen, warum der deutsche Film plötzlich so erfolgreich ist. Mehr als 25 Prozent Marktanteil – erstmals seit 30 Jahren!

Gegen 17 Uhr hatte der Strom der Gäste begonnen, empfangen von großformatigen Fotos deutscher Stars – und einem Kamerateam. Denn was Mr. Bean beim Cannes-Festival recht war, ist Til Schweiger nur billig, und so drehte er für seine neue Komödie „Keinohrhasen“ gleich eine Filmpreisgala-Szene, mit Jürgen Vogel als daherschlenderndem Star. Unter den 2000 Gästen dann wieder die gewohnten Gesichter, Christiane Paul, Oskar Roehler, Wolfgang Stumph, Bettina Zimmermann, Rosa von Praunheim, diesmal als Gehörnter, Michael Ballhaus, Nadja Auermann, Otto – die endlose Reihe der mehr oder weniger strahlenden Glanzlichter des deutschen Films eben. Dazu einige Jungstars, Zoë Charlotte Mannhardt etwa, Detlev Bucks Mädchenstar aus „Hände weg von Mississippi!“. Noch so ein Lichtblick des Abends, etwas scheu, wollte nichts sagen, als es an die Dankesreden für die Lola ging, und Buck fand für sie die Worte, die doch alles sagten: „Wir freuen uns einfach.“

Mario Adorf und Armin Mueller-Stahl redeten dagegen um so mehr, aber die dürfen das, große Schauspieler, Laudator der erste, Lola-Gewinner der zweite, seit Fassbinders „Lola“ auch beruflich verbunden – und pekuniär, wie sich beim Geplauder zeigte. Fassbinder hatte damals was ausgeheckt, wollte die strittige Frage, wer von beiden auf dem Plakat als erster genannt wird, mit 20 000 Mark für Mueller-Stahl aus der Welt schaffen. Darauf ließ Adorf sich ein und musste gestern erfahren: Das Geld ist nie geflossen.

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