Berlin : Darf’s ein Job im Ausland sein?

Nachwuchsköche und -kellner bewarben sich beim Arbeitsamts-Special um Stellen für die Wintersaison

Merlind Theile

Am Arbeitsamt Berlin Südwest war am Donnerstagvormittag der Andrang groß: Vor dem Eingang reihten sich immer mehr Menschen in eine lange Schlange ein, die in mehreren Kurven bis zur Hauptstraße reichte. Sie wollten alle zur „Arbeitsmarkt- und Jobbörse für das Hotel- und Gastgewerbe“. Da wurden gestern Jobs angeboten – und zwar im Ausland und für die Wintersaison.

Benjamin Timmich ist einer von den vielen, die in der Kälte stehen. Seit zwei Jahren ist der 24-jährige Koch arbeitslos. „In Berlin sehe ich keine Perspektive mehr“, sagt er, „wenn es ginge, wäre ich morgen schon weg“. Eine Stelle in Norwegen wäre ihm am liebsten. Da hat er schon mal gearbeitet.

Menschen wie Benjamin Timmich sind auf der Veranstaltung im zweiten Stock des Arbeitsamts genau richtig. Denn was in Österreich, Südtirol oder der Schweiz an Hotel- und Gaststättenpersonal fehlt, ist in Berlin und Brandenburg im Überfluss vorhanden: Auf die derzeit knapp 19 000 arbeitslosen Köche, Kellner und Hotelfachkräfte kommen in der Region nur 1300 freie Stellen. Aus den deutschsprachigen Gegenden kamen bei der Jobbörse die meisten Angebote, da es dort keine Sprachprobleme gibt.

An etwa 20 Ständen drängten sich Besucher im großen Saal. Wenn man Wilfried Salchegger fragt, ob sein Stand Zulauf hat, hält er triumphierend eine Strichliste hoch, die zeigt, wie viele Arbeitslose bei ihm heute einen Bewerbungsbogen ausgefüllt haben für eine Stelle in Österreich. „Das ist schon im dreistelligen Bereich“, sagt Salchegger stolz. Auch Anneliese Rohwerder freut sich über den Andrang. „Das ist der Wahnsinn“, sagt die Organisatorin, „mit so einem Erfolg haben wir nicht gerechnet.“

Etwa tausend Arbeitslose wurden eingeladen, aber gekommen sind ganz offensichtlich noch viel mehr. Frau Rohwerder freut das. „Es ist gut, dass die Menschen bereit sind, woanders zu arbeiten, ehe sie hier als Langzeitarbeitslose verkümmern.“

Auch für Benjamin Timmich hat sich der Besuch der Börse gelohnt – am Stand der europäischen Vermittler hat er zwei Jobangebote für Norwegen bekommen. „Ich gehe gleich nach Hause und schreibe Bewerbungen“, sagt er und grinst.

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