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Darmkeim : Zahl der Berliner EHEC-Verdachtsfälle steigt

In Berlins Kliniken gibt es mittlerweile 16 bestätigte EHEC-Fälle. Bei zwei Verdachtsfällen gab es Entwarnung. Krankenhäuser und Kitas überprüfen jetzt ihre Essenslieferanten.

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Mittels eines Elektronenmikroskops erstelltes Foto von EHEC-Bakterien.
Mittels eines Elektronenmikroskops erstelltes Foto von EHEC-Bakterien.Archivfoto: dpa

In Berlin ist die Zahl der bestätigten Krankheitsfälle der Darminfektion EHEC am Mittwoch um einen weiteren auf 16 gestiegen. Das bestätigte die Senatsgesundheitsverwaltung. „Wir erwarten, dass diese Zahl noch weiter steigt, aber im moderaten Bereich“, sagte die Sprecherin des Gesundheitsverwaltung, Regina Kneiding. Die derzeitige Lage stelle für die 70 Berliner Kliniken „keine Herausforderung“ dar. Was aber wäre, wenn plötzlich eine große Zahl von Dialysegeräten zur Behandlung benötigt würde, dazu konnte niemand eine Aussage machen. Das Gift des rohämorraghischen Escherichia-coli-Bakteriums (EHEC) schädigt massiv die Nierenfunktion, bei einem schweren Verlauf der Krankheit können die Nieren komplett versagen. Wer von dem Keim befallen ist, erleidet blutige Durchfälle. Die Ansteckung geschieht in der Regel über Lebensmittel. In Berlin gibt es derzeit drei Verdachtsfälle, für die eine Dialyse nötig werden könnte. „Wir haben genügend Dialysekapazität“, sagt Thomas Schneider, Professor für Infektionskrankheiten am Klinikum Benjamin Franklin. Wenn sich die Erkrankung aber massenhaft ausbreite, „hätte man ein Problem.“ EHEC-Verdachtsfälle gebe es derzeit vier. Aber nur etwa zehn bis 20 Prozent der Erkrankten müssten in eine Klinik.

Ein großer Anstieg der Infektionszahlen wird nicht erwartet. Vivantes liefert die Erklärung dafür: „Die Ansteckung erfolgt vor allem über Lebensmittel, nicht so sehr von Mensch zu Mensch“, erklärt Sprecherin Mischa Moriceau.

In den beiden Verdachtsfällen bei Vivantes gab es am Mittwoch Entwarnung. Es dauere immer einige Tage, bis feststehe, was ein Patient habe: „Für den Test werden Coli-Bakterien angezüchtet, dann wird molekularbiologisch das Toxin bestimmt“, so Moriceau. In den Kliniken in Friedrichshain und im Auguste-Viktoria-Klinikum hatte es jeweils einen Verdachtsfall gegeben.

Krankenhäuser überprüfen jetzt ihre Caterer. „Unser Essenslieferant musste eine Unbedenklichkeitsbescheinigung bringen“, sagt DRK-Kliniksprecherin Tanja Kotlorz. Bei Vivantes wird derzeit auf vakuumverpackten, vorgeschnittenen Salat verzichtet. Der austretende Saft in der Verpackung gilt als idealer Nährboden für das Bakterium.

Der bundesweit tätige Caterer Sodexo, der in Berlin nach eigenen Angaben über 150 Schulen und Kitas beliefert, bringt den Kindern weiterhin Obst und Gemüse. Dieses werde industriell gewaschen und geschält und derzeit beispielsweise bei Äpfeln „einer zusätzlichen Reinigung unterzogen“, teilte die Firma mit. Milchprodukte werden nur in der pasteurisierten Form verwendet, Fleisch nur durchgebraten. Sodexo-Kunden hatten sich auch infiziert.

Die Quelle der Infektionen ist weiter unklar. In Berliner Bioläden wird zusätzliche Aufklärung geleistet, um verunsicherte Kunden zu beruhigen. Der Bund ökologischer Lebensmittelwirtschaft wies Berichte zurück, nach denen besonders im Biolandbau auf den Einsatz von Gülle zur Düngung gesetzt werde.

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