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Darmkeime in Charité in Berlin : Nur vier Babys infiziert

In der Charité gibt es wieder Keime, die Frühchen bedrohen. Der Zustand der befallenen Kinder ist stabil. Ein Verdachtsfall hat sich nicht bestätigt, der Ausbruch von Serratien-Keimen bleibt damit auf vier Babys begrenzt. Weitere Neugeborene werden nicht mehr in der Station im Virchow-Klinikum aufgenommen, auf der auch die Vierlinge von Annegret R. liegen.

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Babys in Gefahr. Die Frühchen im Virchow-Klinikum sind ohnehin geschwächt und werden intensiv betreut – die Keime belasten sie zusätzlich.
Babys in Gefahr. Die Frühchen im Virchow-Klinikum sind ohnehin geschwächt und werden intensiv betreut – die Keime belasten sie...Foto: dpa

Nach dem Auftreten von Darmkeimen auf einer Frühgeborenen-Station der Berliner Charité hat sich ein Verdachtsfall nicht bestätigt. Der Bakterienstamm des fünften Kindes weise einen anderen "genetischen Fingerabdruck" auf, teilte die Klinik am Freitag mit. Es handele sich um einen typischen Einzelfall einer Keimbesiedlung. Der Ausbruch von Serratien-Keimen bleibe damit auf vier Babys begrenzt. Alle betroffenen Kinder befinden sich demnach in einem stabilen Zustand.

Am Donnerstag hatte die Charité über einen neuen Ausbruch von Serratien-Keimen berichtet. Es sind insgesamt fünf Neugeborene betroffen, die allesamt auf der neonatologischen Intensivstation des Virchow-Klinikums liegen – dort, wo wie berichtet auch die Vierlinge der 65-jährigen Annegret R. versorgt werden. Sie werden regelmäßig getestet; bei ihnen wurde der Keim nicht nachgewiesen. Seit Freitagnachmittag vergangener Woche gibt es einen Aufnahmestopp für weitere Neugeborene auf der Station.

Weniger aggressiv als 2012

Beim letzten Serratien-Ausbruch 2012 waren 21 Kinder vom Keim befallen; eins starb, allerdings nicht an den Serratien, sondern an seiner schweren Grunderkrankung. Aus der Kritik von 2012 haben die Charité-Verantwortlichen gelernt. „Diesmal wollten wir direkt und früh informieren“, sagte der Ärztliche Direktor Ulrich Frei bei einem eigens anberaumten Pressetermin. Deshalb gehe man frühzeitig und offensiv an die Öffentlichkeit. Der Keim sei viel weniger aggressiv als der von 2012. Er trete immer wieder auf und sei für Gesunde kein Risiko. Serratien seien nicht multiresistent, gut antibiotisch behandelbar und nicht meldepflichtig.
Die ersten beiden Fälle wurden am 13. April nachgewiesen. Von einem „Ausbruch“ spricht man, wenn es zwei Fälle und einen Zusammenhang gibt. Von den insgesamt fünf befallenen Babys haben vier den gleichen Stamm, beim fünften läuft die Prüfung noch. Das fünfte Kind hatte den Erreger ursprünglich nicht, war aber dann für eine Herz-OP ins Herzzentrum verlegt worden. Als es am 26. Mai zurückkam, wurde beim postoperativen Aufnahmescreening der Keim nachgewiesen. Nun wird geprüft, ob es sich um den gleichen Bakterienstamm handelt wie bei den vier anderen Babys. Einen Befund soll es frühestens an diesem Freitag geben.

Woher kommt der Keim?

Der stellvertretende Direktor der Klinik für Neonatologie, Christof Dame, beschrieb am Donnerstag die möglichen Übertragungswege und die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen. Hauptrisikofaktoren seien die Hände. So wurde der Keim an einem Fläschchenwärmer nachgewiesen, den Pfleger und auch Eltern nutzen durften. Nun dürfen ihn nur noch Pfleger nutzen. Die Patienten mit und ohne Keim werden von komplett getrennten Teams versorgt und seien räumlich auch komplett getrennt, sagte Dame. Es würden auch sämtliche Untersuchungen, etwa Ultraschall, an separaten Geräten vorgenommen.

Die ursprüngliche Infektion stamme meist von der Mutter. Etwa jede zehnte Risikoschwangere trage Keime, die einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen. Für reife, gesunde Kinder seien diese ungefährlich. Die aktuell betroffenen Babys sind allerdings sämtlich ohnehin gefährdet, da sie entweder sehr unreif geboren wurden oder schwere angeborene Fehlbildungen haben. Der erste Fall vom 13. April betraf zum Beispiel ein extrem unreifes Frühgeborenes mit einem Gewicht an der Grenze der Lebensfähigkeit; das Baby hatte zudem längere Zeit in einer trockenen Fruchthöhle gelegen. Offenbar war das Fruchtwasser abgegangen.
Die Übertragung von diesem Baby auf das nächste kann auf verschiedenen Wegen passiert sein, zum Beispiel bei der Intubation. Die Frühchen müssen wegen mangelnder Lungenreife künstlich beatmet werden. Der Schlauch könne einen Keim transportieren. Serratia marcescens ist um das 164-fache ansteckender als ein durchschnittlicher Keim. Der Zustand der Babys ist derzeit stabil. (mit dpa,AFP)

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