Berlin : Darth Vader zieht ins Filmhaus - Ein Ausblick auf die Monsterschau

Andreas Conrad

Eigens zur Berlinale hat die Stiftung Deutsche Kinemathek eine kleine Ausstellung im ersten Stock des Anfang September öffnenden Filmmuseums eingerichtetAndreas Conrad

Leonardo, hast du das gehört? Im September legt deine "Titanic" an der Potsdamer Straße an. Zwar nur zweidimensional, als gemaltes Bild, aber James Cameron hat es bei seinen Dreharbeiten verwendet. Auch die Saurier, die dann durch das zum Sony-Komplex gehörende Filmhaus hoppeln, die unappetitlichen Monsterkäfer, die Fliegende Untertasse - alles Originale aus "Jurassic Parc", "Starship Troopers" und "Der Tag, an dem die Erde stillstand".

Eigens zur Berlinale hat die Stiftung Deutsche Kinemathek eine kleine Ausstellung im ersten Stock des Anfang September öffnenden Filmmuseums eingerichtet. Gestern nun gaben Hans Helmut Prinzler, Direktor des Museums, und Special-Effects-Experte Rolf Giesen einen Ausblick auf künftige Schauwerte und hier besonders die "künstlichen Welten", die auch ein Thema der aktuellen Retrospektive sind. Neben dem Streifzug durch die deutsche Filmgeschichte, mit Schwerpunkten auf Emil Jannings, Ernst Lubitsch und vor allem Marlene Dietrich, werden die "künstlichen Welten" der zweite Schwerpunkt der auf 1500 Quadratmetern verteilten Dauerausstellung sein. Eine ihrer Hauptquellen ist dabei die Sammlung des Oscar-prämierten Special-Effects-Zauberers Ray Harryhausen, die schon vorher von der Stiftung verwahrt wurde, nun aber, wie Giesen mitteilte, "fest in Berlin verankert" ist. Teile der Sammlung, nach der von George Lucas die weltweit größte, waren während der letzten Jahre auf dem Gelände der Babelsberger Studio-Tour gezeigt worden, darunter ein Kopf der bei "King Kong" verwendeten Modelle. Der Monsterfilm wird künftig mit weiteren, neu erworbenen Ausstellungsstücken vertreten sein. Ohnehin ist man fleißig dabei, den Bestand durch Ankäufe zu ergänzen, erst kürzlich war Giesen deswegen in Los Angeles.

Darth Vader, den Fiesling aus "Star Wars", kann man mittlerweile in Lebensgröße bieten, flankiert von Robocop und Alien. Aus einem Keller in Köln hat man ein Gerät herausgezogen, mit dem in "Raumpatrouille" die flimmerigen Außerirdischen geschaffen wurden, und auch der Tafelberg, auf dem in "Unheimliche Begegnung der dritten Art" die Außerirdischen landeten, wurde nicht endgültig abgetragen, sondern steht künftig im Mittelpunkt einer Installation.

Mit solchen publikumsträchtigen Ausstellungsstücken will das Museum ein Kunststück erreichen, das dem Ei des Kolumbus gleicht, von Prinzler aber nur zurückhaltend als "Spagat" beschrieben wird. Vielleicht stärker als andere Museen muss das Filmhaus zugleich die Interessen von Cineasten und einem Laienpublikum "mit null Ahnung" bedienen, dazu in einem Umfeld, das etwa durch die Sony-Musicbox mehr das Bedürfnis nach Unterhaltung als nach Belehrung reizt. Unterhalten will auch das Museum, hofft auch, über den Umweg der Blockbuster-Filme das Interesse etwa an Stummfilmen hervorzukitzeln. Andererseits: "Es ist kein Spielplatz", stellte Prinzler klar. Sein angepeiltes Jahresziel: 150 000 Besucher.

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