Berlin : Das Abtasten wird zur Ausnahme: Flugpassagiere sollen durchs Tor

RAINER W.DURING

Alle Flughäfen bekommen fest eingebaute Kontrollsonden / Experten sind skeptischVON RAINER W.DURING BERLIN.Auf den Berliner Flughäfen Tegel und Tempelhof werden für die Passagierkontrolle bis Ende Juni sogenannte Torsonden installiert.Sie sollen das bisher übliche Abtasten der Passagiere mit Handsonden ersetzen.Bei Sicherheitsexperten ist das Verfahren allerdings umstritten.Während die Torsonden beim Durchschreiten auch geringste Metallmengen anzeigen, reagieren sie nicht auf gefährliche Gegenstände aus anderen Materialien wie täuschend echte Spielzeugpistolen aus Plastik und medizinische Keramikmesser. Mit dem Einbau der Torsonden kommen die Flughäfen einer Forderung der Weltzivilluftfahrtorganisation ICAO zur Anpassung der Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland an internationale Standardverfahren nach, wie Jörg Liemann von der Luftfahrtabteilung des Verkehrssenators sagt.In Schönefeld stehen die Tore bereits.Im Gegensatz zu anderen Ländern, wo Torsonden oft die einzige Kontrollmaßnahme sind, sollen Flugpassagiere in Deutschland zusätzlich in größerem Umfang abgetastet werden.Ob dies über konkrete Verdachtsfälle hinaus praktikabel ist, wird in Sicherheitskreisen allerdings bezweifelt.So hatte sich der langjährige Polizeichef des Flughafens Tegel und heutige Geschäftsführer des Deutschen Schutz- und Wachdienstes (DSW), Wilfried Gerhard, in einer Stellungnahme gegen die Einführung der Tore ausgesprochen. Auf den Flughäfen Schönefeld und Tempelhof wird laut Skarda bereits heute die vom Jahr 2002 an geltende Bestimmung erfüllt, daß auch alle aufgegebenen Gepäckstücke eine Röntgenkontrolle durchlaufen.In Tegel konnte der Prozentsatz dieser Kontrollen nach einigen Umbauten deutlich erhöht werden.Die Verdachtsquote, die eine manuelle Nachuntersuchung in Anwesenheit des Passagiers erforderlich macht, liegt nach Angaben von Gerhard, dessen Firma in Tempelhof, Hannover, Dresden und Leipzig kontrolliert, bei drei bis fünf Prozent. Die Kosten für die Kontrollen werden auf die Passagiere umgeschlagen und je nach Fluggastzahl und technischem Aufwand jährlich für jeden Flughafen neu errechnet.Die Sicherheitsgebühr liegt in Schönefeld mit 9,50 Mark (Tegel 6,50 Mark, Tempelhof 8,50 Mark) am höchsten.Polizeioberrat Bernd Skarda, der Leiter der Abteilung Luftsicherheit im Grenzschutzpräsidium Ost, sagt, dies liege am niedrigen Passagieraufkommen und daran, daß der Flughafen nach der Vereinigung komplett neu ausgestattet werden mußte. Bundesweit wurden im vergangenen Jahr 609 570 verdächtige Gegenstände bei Fluggastkontrollen sichergestellt.Dazu gehörten in Berlin das Käsemesser, das ein griechischer Geistlicher am Oberschenkel trug, wie auch die Schießkugelschreiber, die immer wieder bei Passagieren aus dem Ostblock gefunden werden.Doch auch harmlose Mitbringsel sorgen bisweilen für Aufregung.So erfreut sich ein französischer Parfümhersteller beim Sicherheitspersonal besonderer Beliebtheit: Er füllt sein Produkt in Flakons, die wie Handgranaten aussehen und in holzwollegefüllte gefüllten Kästchen stecken.Da das Duftwasser auch noch eine geringe Menge Nitro enthält, schlagen nicht nur Röntgengeräte, sondern auch spezielle Sprengstoffdetektoren Alarm. Wenn Fluggäste gefährliche Gegenstände dabeihaben, steht dahinter nach Erkenntnissen des Bundesgrenzschutzes allerdings meistens Nachlässigkeit, seltener kriminelle Energie.Und selbst die richte sich in der Regel gegen andere Ziele als den Flug.Die Wahrscheinlichkeit, daß eine der sichergestellten Waffen für einen "ungesetzlichen Eingriff in den Luftverkehr" benutzt werden sollte, liege "annähernd bei Null". Messer, Pistolen, Handgranaten - alles ging durchNach der Entführung eines Flugzeugs der Austrian Airlines in Tegel vor gut einem Jahr war scharfe Kritik an den dortigen Kontrollen laut geworden.Dem Flugzeugentführer war es gelungen, mit Messer und Knüppel in die Maschine zu gelangen.Nur wenige Tage zuvor hatte die Firma Securitas die Fluggastüberprüfung übernommen.In den Wochen darauf konnten bei mehreren Tests der Sicherheitsmaßnahmen unerlaubte Gegenstände an Bord genommen werden - trotz der Kontrollen.Darunter waren ein auf dem Rücken verstecktes Messer, eine Pistole und eine Handgranatenattrappe.Letztere wurde zwar beim Durchleuchten erkannt, trotzdem ließen die Kontrolleure den Passagier unbehelligt ins Flugzeug einsteigen.Wegen der Pannen wurden mehrere Mitarbeiter der Sicherheitsfirma entlassen.Um zu verhindern, daß Messer oder andere verbotene Gegenstände in dicken Schuhsohlen versteckt an Bord gebracht werden können, wurden die Kontrolleure unter anderem angewiesen, verdächtige Passagiere zu bitten, die Füße zu heben oder sogar die Schuhe auszuziehen.In den vergangenen Monaten sind keine größeren Zwischenfälle mehr bekannt geworden. Tsp

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