Berlin : Das amerikanische Wein-Duell

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Wenn man einem anderen Land mit offenen Augen begegnet, revanchiert es sich mit Überraschungen. USBotschafter Dan Coats und seine Frau Marsha hatten wirklich nicht damit gerechnet, auf einer rauen Nordseeinsel namens Sylt einen der besten Weinkeller des Landes zu entdecken. Aber dann landeten sie im „Sansibar“, und schon war die Idee geboren, nach drei Berliner Jahren als Botschafter, europäische und amerikanische Weine bei einer blinden Weinprobe im Freundeskreis gegeneinander antreten zu lassen. Um alle patriotischen Rücksichten von vornherein auszuschließen, wurde die Herkunft der Weine jeweils erst bekannt gegeben, nachdem die Abstimmung darüber erfolgt war, welcher von zweien der jeweils bessere sei. Meistens gab es eine Patt-Situation, denn ob man die Amerikaner mit ihren reichen Frucht- und Vanille-Aromen lieber mag oder die als eleganter geltenden Europäer, ist ja vor allem eine Geschmacksfrage. Die Diskussion darüber verlief eher spielerisch und in Einklang mit der betont herzlichen Atmosphäre, die das Botschafterpaar in seiner Residenz kreiert. Marsha und Dan Coats genießen unter ihren Golf- und Tennis-Partnern große Hochachtung, weil sie exzellente und gleichzeitig völlig unverbissene Sportler sind. In diesem Geist verlief auch die Weinprobe: unprätentiös, aber trotzdem engagiert, dabei kenntnisreich erläutert von dem Sylter Mitbetreiber des Weinkellers, Michael Hamann. Auch Kenner, die noch relativ sicher bei der Zuordnung eines vergleichsweise teuren toskanischen Sassicaia gegen den vergleichsweise unbekannten Cabernet Sauvignon von Far Niente aus dem Napa Valley waren, gerieten gegen Ende ins Grübeln. Wenn der alte europäische Adel sich in Anonymität hüllen muss, können die amerikanischen Newcomer es nämlich sehr gut mit ihm aufnehmen. Bi

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