Berlin : Das Arkadien des Bürgertums lag am Wannsee

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Villenkolonien wurden in der Vergangenheit gerne nach dem Mann benannt, der sie gegründet hat. Die Colonie Alsen am Großen Wannsee müsste demnach eigentlich Conrad heißen, nach dem Bankier Wilhelm Conrad, der sie ab 1869 als Sommerzuflucht für stadtmüde Großbürger anlegen ließ, als Gegenstück zu dem „Preußischen Arkadien“ von Potsdam und Klein-Glienicke. Benannt wurde sie aber – derlei Patriotismus war damals populär – nach der dänischen Insel Alsen, auf der die Preußen gemeinsam mit den Österreichern 1864 im deutsch-dänischen Krieg den entscheidenden Sieg errungen hatten.

Prominente Berliner wie Max Liebermann, Carl Langenscheidt oder Ernst Ferdinand Sauerbruch haben in der Colonie gewohnt. Zu den Architekten, die hier gearbeitet haben, gehörten Bruno Paul, Alfred Messel, Franz Schwechten und Paul Baumgarten. Zur Colonie Alsen ist jetzt ein schmaler, bei Spaziergängen durch ihre Straßen gut geeigneter Band von Ingo Krüger erschienen. Die Geschichte des Ortsteils wird skizziert, danach lädt der Autor zu zwei Rundgängen ein, berichtet über die Geschichte der Villen und ihrer Bewohner – ebenso knapp wie informativ.

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Auch verschwundener Villen und ihrer Bewohner wird gedacht, so der Sommervilla des Hofmalers Anton von Werner (1843 – 1915), die sich einst in der Straße zum Löwen 5 befand, Gegenstück zu seiner Stadtvilla auf dem Tagesspiegel-Areal an der Potsdamer Straße in Tiergarten. ac

— Ingo Krüger: Landhäuser und Villen in Berlin & Potsdam. Großer Wannsee, Colonie Alsen, Villa Liebermann. Aschenbeck & Holstein Verlag, Delmenhorst/ Berlin. 64 Seiten, viele farbige Abbild., 9,80 Euro.

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