Berlin : Das Band des Bundes ist fertig – aber nicht komplett 3 4 5 6 1 2

Zwölf Jahre und sechs Monate nach dem Umzugsbeschluss wird mit dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus der letzte Neubau übergeben

Matthias Oloew

Paul-Löbe-

Haus

Marie-Elisabeth-

Lüders-Haus

Wenn Bundestagspräsident Wolfgang Thierse am Mittwoch die Schlüssel für das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus erhält, ist der letzte Neubau für Bundestag und Bundesregierung in Berlin fertig. Fast zwölf Jahre und sechs Monate sind seit dem Umzugsbeschluss des Bundestages vergangen. Nach Angaben von Bundesbauminister Manfred Stolpe (SPD) summieren sich die Kosten der Bauarbeiten und Transporte für den Umzug nach Berlin auf insgesamt zehn Milliarden Euro. Knapp 1,55 Milliarden haben die Bundestagsbauten gekostet. Zählt man die rund 238 Millionen Euro für das Bundeskanzleramt hinzu, sind im Spreebogen rund 1,78 Milliarden Euro verbaut worden – viel mehr als ursprünglich veranschlagt.

Noch 1999 ging der Bundestag von 1,7 Milliarden Mark aus, die Löbe-Haus, Kaiser- Haus und Lüders-Haus kosten sollten. Jetzt sind es über 1,2 Milliarden Euro geworden. Der schwierige Baugrund am Spreeufer, die aufwändigen Betonkonstruktionen und die statisch hochkomplexen Entwürfe trieben die Baukosten in die Höhe. Havarien, wie ein Wassereinbruch im Jakob-Kaiser-Haus oder Setzungsrisse im Reichstagspräsidentenpalais, verzögerten die Fertigstellung weiter.

Und die Schlussrechnung ist noch nicht gemacht. Denn der Grund und Boden, auf dem das Lüders-Haus jetzt steht, wird von den in den USA lebenden Erben der ehemaligen jüdischen Kaufmannsfamilie Wertheim beansprucht. Einige der Nachfahren wollen ab morgen in Berlin demonstrieren und auf die schwierige Situation aufmerksam machen. Die Wertheim-Erben beanspruchen darüber hinaus noch andere Grundstücke in der Stadt (unter anderem am Leipziger Platz). Den Verkehrswert für die Parzellen des Lüders-Hauses beziffern die Anwälte der Erben auf rund zehn Millionen Euro.

Wenn im März der Umzug der Parlamentsbibliothek und des wissenschaftlichen Dienstes abgeschlossen sein wird, ist der Bundestag in Berlin voll arbeitsfähig. Die Bauarbeiten sind aber nicht zu Ende. Am Spreeufer fehlen die Promenaden und Grünflächen nördlich vom Lüders-Haus und vor der Bundestagskita. Der Abriss der Plattenbauten an der Luisenstraße hingegen hat begonnen.

Mit dem Lüders-Haus ist auch der letzte Bau für das von den Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank als städtebauliches Grundmuster für das Regierungsviertel entworfene „Band des Bundes“ fertig. Komplett ist das Band, das sich ursprünglich vom Kanzleramt bis zum Bahnhof Friedrichstraße erstrecken sollte, allerdings nicht. Das von Schultes und Frank entworfene „Bürgerforum“, ein Bau zwischen Kanzleramt und Löbe-Haus, wird nicht entstehen. Dafür hat der Bund kein Geld mehr. Schultes ist enttäuscht. Das Kanzleramt, so der Architekt, werde vor allem deshalb als zu massig kritisiert, weil es als Solitär im Spreebogen stehe, was es eigentlich nicht sollte.

Andere Ärgernisse sind hingegen längst vergessen. Zum Beispiel der Streit um die „fette Henne“, also das Aussehen des Wappentiers des Bundes an der Stirnseite des Plenarsaales. Einige Parlamentarier wollten das gleiche Modell wie in Bonn sehen, andere eine schlankere Version. Oder die Diskussion um die Farbe der Sitzpolster im Plenarsaal: einigen zu grell, anderen zu langweilig.

Neben der Fassade des Reichstages und der Schweizer Botschaft blieben im Regierungsviertel zwei alte Gebäude erhalten. Das Reichstagspräsidentenpalais ist heute an die Blöcke des Jakob-Kaiser-Hauses angegliedert und beherbergt die Parlamentarische Gesellschaft. In der DDR waren hier der VEB Schallplatte und die Stasi untergebracht. Nach der Wende kaufte es der Bund für 25 Millionen Mark zurück. An der Dorotheenstraße ist darüber hinaus das gründerzeitliche Bankhaus Sommer restauriert und in die Neubaublöcke integriert worden.

Jakob-

Kaiser-

Haus

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