Berlin : Das Beste am Rande

Die Popkomm richtet sich nur an Fachbesucher. Macht aber nichts: Wo die Musik tatsächlich spielt

Sebastian Leber

Herbert Grönemeyer kommt. Der Berliner Star-DJ Paul van Dyk auch. Und Klaus Wowereit ebenfalls. Wenn heute Vormittag die zweite Berliner Popkomm beginnt, geben sich die Prominenten die Klinke in die Hand. Normalsterbliche müssen leider draußen bleiben, denn die Messe richtet sich ausschließlich an Fachbesucher. Das Tagesticket kostet 145 Euro, außerdem muss man schriftlich einen Arbeitsplatz in der Musikbranche nachweisen. „Eine bedruckte Visitenkarte reicht da nicht aus“, sagt die Frau von der Ticket-Hotline.

Als die Popkomm noch in Köln gastierte, durfte auch normales Publikum aufs Messegelände. Was zur Folge hatte, dass sich viele Popstars und Manager von kreischenden Fans oder eifrigen Kugelschreiber-Sammlern gestört fühlten – schließlich geht es bei der Popkomm in erster Linie ums Geschäftemachen. Aus den schlechten Erfahrungen hat die Musikbranche gelernt: Tagsüber bleiben die Fachleute unter sich, abends findet das Rahmenprogramm in den Berliner Clubs statt. Und das ist dieses Jahr gewaltig: Mehr als 300 Konzerte sind in den nächsten drei Tagen geplant, dazu gibt es unzählige Partys und DJ-Sets. In der langen Liste der auftretenden Bands finden sich auch einige große Namen: Zum Beispiel die einstigen Brit-Pop-Vorreiter von Supergrass oder The (International) Noise Conspiracy aus Schweden.

Als Themenschwerpunkt wurde diesmal Spanien ausgewählt: Das Land sei „eine großartige Musiknation“, die in Deutschland leider zu wenig Beachtung finde, sagt Dirk Schade von der veranstaltenden Popkomm GmbH. Musiker wie Ana Salazar oder Paco Cepero, die in Spanien Hallen füllen, kenne hier bisher kaum einer.

Wie schon im vorigen Jahr ist die Kulturbrauerei an der Schönhauser Allee das offizielle Festivalzentrum. Kein anderer Ort in Berlin biete dafür „so ideale Bedingungen“, findet Kulturbrauerei-Sprecherin Anja Schneider. Schließlich beteiligen sich gleich neun Clubs auf dem Gelände am Rahmenprogramm der Popkomm. Wer sich eine Tageskarte für 12 Euro kauft, kann frei zwischen den Konzerten und Partys hin- und herpendeln. Für 30 Euro gibt es an allen drei Tagen Einlass. Erstmals finden hier auch Lesungen statt, natürlich nur solche mit Musikbezug. Nicht in der Kulturbrauerei, aber dafür stilvoll im Roten Salon am Rosa-Luxemburg-Platz tritt am Donnerstag die britische Rockband Art Brut auf. In ihrer Heimat werden die fünf Musiker seit Wochen in den Himmel gelobt und in einer Reihe mit Franz Ferdinand und Maximo Park genannt. Das Popkomm-Konzert ist für Berliner wahrscheinlich die letzte Gelegenheit, Art Brut in kleinem Rahmen zu sehen. Aber Achtung: Es gibt nur noch wenige Karten im Vorverkauf. Offiziell dauert die Popkomm nur bis zum Freitag, der Auftritt von Paul van Dyk im E-Werk soll den Schlusspunkt setzen. Aber auch am Sonnabend darf noch getanzt werden: Da veranstalten 30 Berliner Clubs die „Popkomm-Clubnacht“ (www.clubnachtberlin.de). Vier Busshuttle-Linien bringen die Partygänger von einem Ort zum anderen, die Musikrichtungen reichen von Techno und House über Hip-Hop bis Rock-Pop. Und wer sich nach all dem Tanzen, Feiern und Mitsingen immer noch ärgert, dass er Herbert Grönemeyer nicht auf dem Messegelände treffen durfte, kann sich ja beim DJ ein Lied von ihm wünschen.

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