Berlin : Das Beste von beiden

Mit deutscher Tugend und südländischer Art schaffen türkische Unternehmer den Aufstieg

Ferda Ataman
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Chefsache. Die neueste Ausgabe von „Berlin Maximal“ beleuchtet Berliner Unternehmer türkischer Herkunft. Foto: promo

Die Geschichte der türkischen Einwanderer beginnt fast immer mit dem gleichen Traum: Dem Traum von schnellem Wohlstand in der Fremde und der Rückkehr in die anatolische Heimat in einem Mercedes – mit einem dicken Scheckbuch in der Tasche. Für viele ehemalige Gastarbeiter bleibt diese Fantasie bis heute unerfüllt. Doch immer mehr Nachkommen haben den Sprung in lukrative Berufsleben geschafft. In Berlin gibt es inzwischen über neuntausend kleine und mittelständische Betriebe von türkischstämmigen Unternehmern, die rund 29 000 Mitarbeiter beschäftigen und einen Jahresumsatz von 3,5 Milliarden Euro erwirtschaften.

Auch der Senat hat den Erfolg der größten Migrantengruppe bemerkt und im Jahr 2005 das Zentrum für Türkeistudien beauftragt, die türkischstämmigen Unternehmer in Berlin zu untersuchen. Demnach sind diese im Durchschnitt 44 Jahre alt, überwiegend Kinder von Einwanderern, ein Fünftel davon Frauen. Zwar bleibt es schwer, die neuen Aufsteiger pauschal zu beschreiben. Aber man kann sie in zwei Gruppen unterscheiden: Die einen sehen ihre Kundschaft noch immer überwiegend in der türkischen Gemeinschaft und bieten Dienstleistungen „à la Turca“ an. Die anderen könnten genauso gut Heinz Müller heißen, wenn man sich ihr Firmenprofil ansieht. So wie der Chef der „BOS Spedition“, Osman Sönmez.

Sönmez gehört ein Transport- und Logistikunternehmen am Berliner Großmarkt. Der gelernte Versicherungskaufmann leitet einen Dreischichtbetrieb mit 103 Mitarbeitern und 7,5 Millionen Euro Nettoumsatz im Jahr. Seine Geschichte klingt ermutigend: Als Sohn von so genannten Gastarbeitern kam er 1971 mit acht Jahren nach Berlin. Im Alter von 25 Jahren nahm Sönmez einen Kredit auf, kaufte einen LKW und fuhr „alles Mögliche“ aus. Das Geschäft lief nach der Wende so gut, dass Sönmez wenige Jahre später einen zweiten Lastwagen kaufte und einen Mitarbeiter einstellte. Das war 1993. Heute verfahren seine Mitarbeiter 160 000 Liter Sprit im Monat. „Ich hatte die gleichen Hürden und Chancen wie andere auch“, sagt er zum Thema Herkunft und Erfolg.

Hidir Güneser betreibt Partyräume am Askanierring. „Leute wie ich, mit starkem Akzent und einem ausländischen Namen, haben es nicht gerade leicht“, sagt Güneser, „da gibt es oft Vorurteile“. Doch davon lässt sich der Geschäftsmann nicht beirren: „Wir Türken sind sehr flexibel, das mögen die Leute.“ Dass ihn manche Kunden für den Hausmeister halten, störe ihn nicht weiter. „Ich bin vom Bauarbeiter zum Unternehmer geworden“, sagt der 47-Jährige. „Was will ich mehr?“ Ferda Ataman

Mehr zum Thema erfahren Sie im Wirtschaftsmagazin „Berlin Maximal“, ab heute am Kiosk.

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