Berlin : Das bewirkt Wasser trinken

Björn Rosen

Kaum etwas ist für den Körper so elementar wichtig wie Wasser. Ein erwachsener Mensch besteht zu 60 Prozent aus Flüssigkeit. Ein Großteil davon befindet sich in den Zellen, insbesondere in den Muskeln, aber auch in allen Organen. Wasser ist auch als Bestandteil von Blut unverzichtbar, es macht als Lösungsmittel Mineralien oder Traubenzucker überhaupt erst transportfähig.

„Etwa 2,5 Liter Flüssigkeit sollte man am Tag zu sich nehmen“, sagt Birgit Alteheld, Ernährungswissenschaftlerin an der Universität Bonn. „Ein Liter steckt meistens schon in der Nahrung. Die fehlenden 1,5 Liter sollte man durch Getränke abdecken.“ Zwar tut es Leitungswasser auch, doch enthält Mineralwasser mehr Magnesium, Kalzium oder Natrium.

Im Sommer ist der Wasserbedarf unter Umständen höher. Bei normaler Temperatur verlieren wir durch Schwitzen alle 24 Stunden rund 350 Milliliter Flüssigkeit. An heißen Tagen können es sogar 1,4 Liter sein. Bewegung trocknet zusätzlich aus: Wer eine Stunde Fußball spielt, sondert bis zu einem Liter Schweiß ab.

Wassertrinken hilft möglicherweise auch beim Abnehmen. Seit Jahren kann man diesen Satz in Diät-Ratgebern lesen, ein Nachweis fehlte aber lange. Ein Berliner Forscherteam fand nun Hinweise darauf, dass der Körper nach dem Wassertrinken mehr Energie verbraucht. Täglich zwei Liter stillen, zimmerwarmen Wassers könnten demnach jährlich bis zu 2,4 Kilogramm weniger Fettmasse bedeuten.

Wer ausreichend trinkt, kann am Tag bis zu 150 Kalorien zusätzlich verbrennen. „Wassertrinken aktiviert unser vegetatives Nervensystem, das Einfluss auf den Stoffwechsel hat“, sagt Ernährungsmediziner Michael Boschmann von der Charité. „Der gesteigerte Energieumsatz erklärt sich zum kleineren Teil dadurch, dass das Wasser von Zimmer- auf Körpertemperatur erwärmt werden muss, zum größeren Teil aber durch einen erhöhten Energieverbrauch in Muskeln und Leber.“

Allerdings wiesen Boschmann und seine Kollegen diesen Zusammenhang bisher nur unter bestimmten Bedingungen nach. Die Testpersonen tranken am Morgen einen halben Liter Wasser auf nüchternen Magen. Dabei wurde ihr Energieumsatz gemessen – er stieg bei allen um gut 30 Prozent. Dieser Effekt ist unabhängig vom Geschlecht, nicht aber vom Gewicht. Auch bei fettleibigen Menschen steigt der Energieumsatz, allerdings nur um rund 20 Prozent. Außerdem unterliegt er stärkeren Schwankungen. Insofern hilft Wasser vielleicht beim Schlankbleiben, aber nicht unbedingt beim Abnehmen. Der Ernährungsmediziner Boschmann betont außerdem: „Viel hilft nicht viel. Man kann den Effekt wahrscheinlich nicht steigern, indem man drei oder vier Liter am Tag trinkt.“

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