DAS BEWOHNERPORTRÄT : Erika Prüfer, 86

Pflegeheim:

Seniorenheim Schleusinger Straße, Marzahn

Pflegestufe I

Eine Berlinerin wollte sie eigentlich nie werden, sagt Erika Prüfer. Doch ein Schlaganfall machte 2004 den Umzug aus ihrer Heimat Stralsund in die Hauptstadt nötig. Nach ihrem Klinikaufenthalt konnte sie nicht alleine zurück in ihre Wohnung. Ihr Mann war schon 1995 gestorben. Also holte ihre Tochter die heute 86-Jährige zu sich nach Berlin. „Dabei bin ich doch eine echte Pommeranze“, sagt Erika Prüfer. Am Anfang gab es folglich ein paar Umstellungsschwierigkeiten. „Schon die Sprache – Berlinerisch ist doch kein Deutsch“, sagt sie und lacht. Dass ihre Tochter und sie heute Nachbarn sind, gefällt ihr allerdings gut. „Früher habe ich meine Tochter nur einmal im Monat gesehen, heute jede Woche.“

Eine Woche habe sie gebraucht, sich an ihr neues Heim zu gewöhnen, sagt die Frau, die schwer atmet und sich beim Gehen auf einen Rollator stützen muss. Dass sie einen Schlaganfall erlitten hat, merkt man noch an ihrer Stimme. Gelegentlich sind einige Sätze verwischt. Ihr Zustand hat sich jedoch, seit sie ins Heim gekommen ist, gebessert. Als sie aus dem Krankenhaus kam, hatte sie Pflegestufe II, heute hat sie Stufe I. Mit ihrem Rollator ist sie jeden Tag unterwegs. Im Sommer im Garten, im Winter auf den Gängen des Heimes. „Ich muss mich bewegen“, sagt sie. „Das Essen ist zu gut“. Früher sei sie viel gewandert. Auch fotografiert habe sie gerne – besonders Landschaften. Die gesammelten Bilder habe sie aber wie die alten Möbel wegschmeißen lassen. „Was soll ich noch damit?“, fragt sie.

Ein Schrank hat es in ihr neues Zimmer geschafft. Sessel und Bett stammen aus dem Heim. „Reicht doch“, sagt sie. Auf einem Tisch vor dem Fenster liegen ein paar Illustrierte – Klatschgeschichten. „Die sind eigentlich gar nicht mein Fall“, sagt sie. Ihre Tochter habe die Hefte mitgebracht. Sie selbst lese lieber Heimatgeschichten oder Arztromane. Langweile kennt sie nicht, sagt sie. An jedem Kurs, der angeboten wird, nehme sie gerne teil. Und wenn es mal kein Programm gibt, könne sie sich auch gut selbst beschäftigen. Für Weihnachten hat sie schon einen ganzen Stapel Karten gebastelt. Ihre Mitbewohner bekämen aber keine davon, meint sie. Die könnten sich selbst welche machen. Mit ihrer Tochter teilt sie jedoch gerne. mho

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben