DAS BEWOHNERPORTRÄT : Irmgard (84) und Alfred Wenske (87)

Pflegeheim:

Residenz Ambiente,

Prenzlauer Berg

Pflegestufe: I

Schlaganfall. Am Morgen des 13. Mai hätten sie einen Rekord gebrochen, sagt Alfred Wenske. So schnell wie an jenem Muttertag 2007 seien sie noch nie von ihrem Haus in Erkner nach Berlin gefahren. Rote Ampeln gab es für sie nicht, stattdessen Blaulicht. Alfred Wenskes Frau Irmgard hatte einen Schlaganfall erlitten. Hilflos lag sie auf dem Boden. „Einen Menschen, den man liebt, so zu sehen, tut weh“, erinnert sich der 87-Jährige. Gemeinsam mit seiner Frau lebt er heute im Pflegeheim Residenz Ambiente in Friedrichshain. Beide sitzen am Tisch in ihrem Zimmer, er in einem Sessel, sie im Rollstuhl. Doch obwohl die Ärzte damals prophezeiten, dass der Anfall Irmgard Wenske dauerhaft lähmen würde, befindet sie sich nun auf dem Weg der Besserung. Sie spricht schon wieder, auch ihre Arme gehorchen ihr. Trotzdem bleibt sie auch ein halbes Jahr nach dem Schicksalsschlag ein Pflegefall.

Der Umzug. „Dass wir einmal in ein Heim ziehen müssen, daran haben wir nie gedacht“, sagt Alfred Wenske. Ein Wahl hätten sie jedoch nicht gehabt. An eine Rückkehr in ihre Wohnung sei, nachdem seine Frau aus der Klinik entlassen wurde, nicht zu denken gewesen. „Der Fahrstuhl hielt nicht auf unserer Etage, außerdem war die Wohnung viel zu eng“, sagt Irmgard Wenske. Ihr Mann nickt und ergreift ihre Hand. „Dass ich mit ins Heim ziehe, war selbstverständlich“, sagt er. Sie seien jetzt seit 63 Jahren verheiratet, da lasse man einen Menschen doch nicht allein. Seiner Frau schießen Tränen in die Augen. Viel Zeit, sich ein Heim zu suchen, blieb ihnen damals nicht, erinnert sich das Paar. Ihre Kinder hätten bei der Suche geholfen und ein paar Häuser besichtigt. Schlussendlich entschieden sie sich für die Empfehlung ihrer Hausärztin.

Das Leben im Heim. „Wir haben es gut getroffen“, sagt Alfred Wenske heute. Manchmal fühlten sie sich fast wie im Hotel. Trotzdem: Dass sie das eigene Haus, den eigenen Garten, Möbel, Bücher und Erinnerungen gegen ein 26 Quadratmeter großes Zimmer eintauschen mussten, schmerze noch immer jeden Tag. Auch deshalb wollen sich die Wenskes im Heim so viel Autonomie bewahren wie möglich. Zum Essen gehen sie ins Restaurant im Erdgeschoss, zum Spazieren in den nahe gelegenen Volkspark Friedrichshain. Und was die Pflege angeht, so arbeitet Alfred Wenske mit. Er hilft seiner Frau beim Anziehen und Vorbereiten auf den Tag, auch wenn er selbst spürt, dass sein Körper an Kraft verliert. „Es ist schwer loszulassen, wenn man so lange alles zusammen gemacht hat“, sagt er – die Hand seiner Frau in der seinen. mho

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