DAS BEWOHNERPORTRÄT : Johanna Just, 95

Pflegeheim

: Seniorenheim Müggelschlösschenweg, Köpenick

Pflegestufe: 2

Es passierte beim Kochen. Johanna Just kippte einfach um. Und der Suppentopf vom Herd. „Ich wusste damals nicht, dass ich es mit dem Herzen hatte“, sagt die 95-Jährige. Zu dieser Zeit lebte sie noch allein in ihrer kleinen Wohnung. Seit vier Jahren findet ihr Leben in einem Zimmer des Seniorenheims Müggelschlösschenweg statt. Nach dem ersten Krankenhausaufenthalt zog sie zu einer ihrer Töchter, eins ihrer sieben Kinder, die jetzt samt der Enkel auf Fotos überall an ihren Wänden zu sehen sind und sie alle oft besuchen. Ihr Mann ist schon vor Jahrzehnten gestorben. In der Klinik hatte sich Johanna Just eine Infektion zugezogen. „Ich habe mich so schlecht gefühlt.“ Sie musste schnell wieder ins Krankenhaus. Und wurde kurz darauf am Herzen operiert. Danach war ihr Zustand so kritisch, dass nur noch ein Pflegeheim infrage kam.

Dort hat sie sich wieder erholt. „Das Ersatzding da drin in meiner Brust arbeitet jetzt einwandfrei. Watt will ick mehr“, sagt die Berlinerin, die lange im Labor einer Glühbirnenfabrik arbeitete. Bis sie 60 war. Dann wechselte sie den Job und begann in einem Restaurant. Erst mit 80 schälte Johanna Just ihre letzte Kartoffel. Es gab ein großes Geburtstagsfest in dem Lokal, in dem sie arbeitete, und ihre Kollegen vergaßen sie auch im Ruhestand nicht. „Die Köche besuchen mich manchmal hier“, sagt sie. Gutes Essen ist für sie immer noch wichtig. Sonst fühle sie sich ja ganz wohl im Pflegeheim. Nur diese wässrigen Mahlzeiten! „Naja, inzwischen sehe ich auch da drüber hinweg.“

Hauptsache, sie hat etwas zu lesen. Den alten Kinderbuchklassiker „Nesthäkchen wird Großmutter“ kann sie fast auswendig, und immer liegt auf dem Tisch neben ihrem Korbsessel eins von ihren rosa Liebesromanheften – „meine Schmöker“.„Ick hab keene Langeweile, auch wenn ick nicht mehr so weg kann wegen meinem kaputten Bein.“ Sie hat Arthrose. Trotzdem ist sie manchmal unterwegs, eine ihrer Töchter kommt regelmäßig vorbei, um sie im Rollstuhl zwei Stunden spazieren zu schieben. Eigentlich ist also alles so weit in Ordnung in ihrem Leben. „Ich muss nur dran denken zu atmen, vor allem beim Reden“, sagt sie keuchend. „Ich krieg oft keine Luft.“ dma

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