DAS BEWOHNERPORTRÄT : Martha Henschel, 94

Pflegeheim:

Vivantes Seniorenheim Weidenweg, Friedrichshain

Pflegestufe II

Jeden Tag einen Becher Buttermilch, das ist ihr Geheimnis. Ihre 94 Jahre sieht man Martha Henschel nicht an. Pfleger und Schwestern schätzen die rüstige Dame als lebensfroh und reiselustig. „Ich bin ein fröhlicher Mensch geblieben“, sagt Henschel. Die ehemalige Fachverkäuferin für Industriewaren wohnt seit zwei Jahren im Friedrichshainer Seniorenheim von Vivantes. Dem Stadtteil Friedrichshain ist sie seit Jahrzehnten treu. 1913 in Schlesien geboren, zog Henschel bereits 1970 mit ihrem zweiten Ehemann nach Berlin. Hier wohnte sie immer in der Nähe ihres jetzigen Zuhauses, rund ums Frankfurter Tor. „Ich mag die Gegend“, sagt sie gemütlich, „ich war aber immer viel unterwegs.“

Doch 2005 merkte Martha Henschel, die unter Diabetes leidet, dass sie nicht mehr alles alleine schafft: Die Hände taten ihr oft weh, das Treppensteigen fiel ihr schwer. So geht es nicht weiter, ohne Hilfe kann ich meinen Alltag nicht mehr meistern, dachte sie. Eine Bekannte half ihr beim Putzen und Einkaufen, während Henschel sich mehrere Wohnheime in der Umgebung anschaute. Am besten hat ihr das Haus am Weidenweg gefallen, direkt neben dem alten Kino Kosmos, in dem seit zwei Jahren allerdings keine Filme mehr gezeigt werden. In das Seniorenheim durfte Martha Henschel ihre eigenen Möbel mitnehmen. „Ich habe es mir hier gemütlich gemacht“, sagt sie.

Von ihrem neuen Zuhause überzeugt war Martha Henschel wegen der vielen Freizeitaktivitäten: Montags stehen Handarbeiten auf dem Programm – Martha Henschel hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Bilder, Kissen und Decken gestickt und gehäkelt. „Die verschenke ich auch an meine Kinder.“ Dienstags wird mit anderen Bewohnern gesungen, am Mittwoch gebacken. Donnerstags geht Martha Henschel zur Gymnastik. „Das hält fit, denn ich will den Pflegern nicht so viel Arbeit machen", sagt sie. Ansonsten liest Henschel viel: Gedichte zitiert sie Besuchern fehlerlos und mit viel Freude. In ihrem neuen Zuhause fühlt sie sich wohl, bei schönem Wetter lässt sie vom Balkon aus den Blick über die Karl-Marx-Allee schweifen. Nur für das Essen hat sie einen Verbesserungsvorschlag: Mehr Rindfleisch! hah

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