Berlin : Das Bild des Gurus verschwindet Aus für den

Tanztempel „Far Out“

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Immer wenn der Saal besonders kochte, die rhythmisch zuckenden Leiber dampften, kamen Schrubber und Scheuerlappen zum Einsatz. Ein im bequemen Bhagwan- Look gewandeter Disco-Jünger schob sich durch die Menge, hin zu den dicken Rohren der Klimaanlage, und feudelte sie von unten ab. Ein im Eintrittspreis inbegriffener Service, für den die Tänzer, von der Gefahr jäh auf sie herabklatschender Tropfen befreit, jederzeit Verständnis hatten.

Diese Zeiten sind endgültig vorbei: Im „Far Out“, seit über 20 Jahren links neben der Schaubühne am Lehniner Platz angesiedelt, tropft nichts mehr. Die Diskothek wurde geschlossen, die Far Out Gastronomie und Veranstaltungs GmbH ist insolvent und verschwindet aus dem Handelsregister. Ein weiteres Stück West-Berlin wurde damit zu Grabe getragen, gehörte doch das „Far Out“ besonders in den Achtzigerjahren zu den absoluten In-Adressen der Inselstadt und konnte auch danach der Schnelllebigkeit der Szene erstaunlich lange trotzen.

Anfangs hatte es viel Aufregung um die Diskothek gegeben, besorgten Eltern galt sie als Ort potenzieller Verführung zur exotischen Heilslehre des damals gerade im Westen populären Gurus Bhagwan Shree Rajneesh und seiner Anhängerschaft, der mit Vorliebe in Rot und Orange gekleideten, eine Holzperlenkette mit dem Bildnis ihres Meisters tragenden Sannyasins. Berliner Jünger hatten die Diskothek gegründet, ein Foto des bärtigen Inders hing unübersehbar über der Tanzfläche, ansonsten war von einer Indoktrination der Tänzer nichts zu spüren. Es war vielleicht gerade die sanfte Freundlichkeit des oft weiblichen Personals am Einlass, das den Reiz des „Far Out“ ausmachte. Muskelbepackte Türsteher oder blasierte Sichtkontrollen-Schnösel gab es dort in den Achtzigern jedenfalls nicht, eine Offenheit, die im Inneren durch ein helles Interieur ihre Entsprechung fand. Gespielt wurde Mainstream, Aktuelles wie auch Oldies, ab und zu sogar ein Wiener Walzer.

„Äußerst erfolgreich“ sei die Diskothek damals gewesen, sagt der zum Insolvenzverwalter bestimmte Anwalt Joachim Voigt-Salus. Mit der Wende, als sich die Ströme der Disco-Gänger umorientierten, habe es einen ersten Knick gegeben. Einige Gesellschafter seien gegen hohe Abfindungen ausgestiegen, eine Kernmannschaft habe den siechenden Rest verwaltet bis zum Ende. Auf die Veränderungen der Disco-Szene sei sehr spät und nicht nachhaltig genug reagiert worden, zuletzt habe es hohe Mietrückstände gegeben, und der Vermieter habe den Betreibern schon vor dem Insolvenzantrag fristlos gekündigt. ac

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