Berlin : Das Blühen der Agave

Auf Schloss Glienicke entsteht Europas erstes Hofgärtner-Museum

Andreas Conrad

Wenn so eine Agave sich erst mal zu blühen entschließt, gibt es kein Halten mehr. Jahrelang hat sie bedächtig Blatt für Blatt entfaltet, nun schießt der Blütenstiel in wenigen Wochen Meter um Meter in die Höhe. In den königlich-preußischen Gewächshäusern war das jedes Mal eine botanische Sensation. Podeste wurden aufgebaut, damit die hohen Damen und Herren die hoch über ihnen lockenden Blüten auf Augenhöhe bewundern konnten. Auch Maler und Zeichner griffen zu ihrem Gerät, um den gärtnerischen Erfolg zu dokumentieren. Gleichwohl hatte selbst dieser Ruhm seinen Preis. Nach der halbjährigen Blütezeit war endgültig Schluss mit der grünen Pracht, die Pflanze starb ab, hinterließ immerhin jede Menge Seitentriebe.

Gestern wurde das Bild einer blühenden Agave auf Schloss Glienicke, Sitz des künftigen Hofgärtner-Museums, ausgepackt. Wo sie einmal geblüht hat, ist mit Sicherheit nicht mehr zu sagen. In einem der königlichen Gewächshäuser, auf mehr will sich Jörg Wacker, Kustos bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, nicht festlegen. Möglicherweise in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg, wo zu der Zeit, als das kleine Ölgemälde entstanden sein dürfte, so zwischen 1830 und 1850, der Hofgärtner Joachim Anton Ferdinand Fintelmann wirkte. Aus dem Besitz einer Nachfahrin, Marianne Fintelmann aus Erfurt, kommt schließlich die Leihgabe der Agave in Öl, ebenso eine Zeichnung des in der Natur 7,4 Meter hohen Monstrums sowie der Lehrbrief von Julius Fintelmann aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, einem weiteren Mitglied dieser Hofgärtner-Dynastie.

Traditionell öffnet Schloss Glienicke ab Ostern seine Türen zur Sommersaison. In diesem Jahr müssen sich die Besucher bis zum 22. April gedulden, dem Eröffnungstag des neuen Hofgärtner-Museums im Westflügel des Schlosses. In sieben Räumen wird dort zurzeit eine ständige Ausstellung aufgebaut, die die preußischen Hofgärtner würdigen soll. Deren Namen standen hinter denen ihrer hochadeligen Auftraggeber vielfach zurück oder wurden gar vergessen, von Ausnahmen wie Peter Joseph Lenné einmal abgesehen. Bereits vor zwei Jahren hatte es dort unter dem Titel „Preußisch Grün“ eine Ausstellung gegeben, auf der das Museum nun aufbaut.

Es werde das erste in Europa sein, das sich ausschließlich mit Hofgärtnern befasse, heißt es auf einer Informationstafel im Eingangsbereich. Die Galerie der Gärtner ist bereits fertig, in den Räumen stehen die Tafeln noch provisorisch herum, geben aber bereits eine Ahnung von den präsentierten Gärtnerkünsten der Vergangenheit. So wird man etwa über den seit 1785 in Sanssouci florierenden Ananas-Anbau informiert, der den Hof in guten Sommern mit bis zu 800 Früchten versorgte. In „Ananaskästen“, durch Verrottungswärme von unten geheizt, erzielte man so beachtliche Erfolge. Franz Josef Strauß lag also mit seiner Überlegung, er wolle lieber in Alaska Ananas züchten, als in Deutschland Kanzler zu sein, gar nicht so falsch.

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