Berlin : Das Brücke-Museum muss warten

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Die wiedergefundenen Bilder, die vor vier Wochen aus dem Brücke-Museum gestohlen worden waren, befinden sich noch immer im Landeskriminalamt. Wie berichtet, hat die Polizei die Kunstwerke am Freitagabend bei einer Wohnungsdurchsuchung in Tempelhof sicherstellen können. Die neun Bilder lagen zusammengerollt in einer Sporttasche, eines davon zerstört: Das Bild „Junges Mädchen“, das Max Pechstein 1908 gemalt hat, ist in der Mitte zertrennt worden. In der Tasche befand sich nur eine Hälfte. Wo die andere ist und warum die Leinwand zerschnitten wurde, konnte die Polizei bisher nicht klären.

Die restlichen Bilder befänden sich augenscheinlich in einem guten Zustand, sagte Andreas Grabinski, Chef der Einbruchsinspektion des Landeskriminalamtes. Sie sollen möglichst bald von Experten des Brücke-Museums begutachtet werden. Wann die expressionistischen Bilder wieder ins Museum gelangen, konnte noch niemand sagen.

Die Kunstsammlung in Dahlem war auch während der Pfingstfeiertage geöffnet. Zahlreiche Berlin-Besucher sahen sich die Ausstellung an, einige hatten erst durch den Kunstdiebstahl vom Brücke-Museum erfahren. Spuren der Tat sind jedoch schon lange nicht mehr zu sehen, das Museum hat die Bilder durch andere ersetzt – da man die ausgestellten Kunstwerke ohnehin regelmäßig wechselt, fiel das Fehlen der neun Bilder kaum jemandem auf, der vom Diebstahl nicht durch die Medien erfahren hatte. Die Angestellten des Brücke-Museums hielten sich bei Nachfragen – Welches seien denn die ausgewechselten Bilder? Wann könne man die Wiedergefundenen sehen? – bedeckt. Sie hätten die Anweisung, sich zu dem Diebstahl nicht zu äußern.

Am frühen Morgen des 20. April waren die Diebe durch ein Fenster in das Ausstellungsgebäude eingebrochen und binnen weniger Minuten mit den neun Bildern verschwunden. Die Polizei kam ihnen durch zahlreiche Hinweise auf die Spur. Dass es sich bei den fünf Festgenommenen, vier Männern und einer Frau, jedoch um alle an der Tat Beteiligten handele, wird bezweifelt. Unklar ist auch nach wie vor, worin das Motiv der Tat bestand: Bärbel Groth-Schweizer, Leiterin der LKA-Einsatzgruppe , die sich mit den Ermittlungen zum Kunstdiebstahl befasst, sagte dem Tagesspiegel, dass sie von Anfang an nicht von einer Auftragstat für einen Kunstsammler ausgegangen sei. So etwas kenne sie nur aus Spielfilmen. In ihrer fast 30-jährigen Ermittlungspraxis habe sie dergleichen noch nicht erlebt. dae

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