Berlin : Das Comeback der Gepflogenheiten

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Einer der Kernsätze kam eher unauffällig, mitten im Statement. Der neue Schweizer Botschafter, Werner Baumann, hatte im Anschluss an die Überreichung seines Beglaubigungsschreibens bei Bundespräsident Johannes Rau zum Presseapéro eingeladen. Rau habe einen ausgesprochen herzlichen Eindruck auf ihn gemacht, über den Inhalt des Gespräches könne er allerdings nichts sagen: „Das entspräche nicht den Gepflogenheiten.“

Den Gepflogenheiten steht wohl ein Karriereaufschwung bevor. Das Sicherheitspersonal achtete streng darauf, dass sich jeder ein nsschildchen ansteckte. Bevor es zum eigentlichen Apéro und zu „bilateralen Gesprächen“ ging, betrat pünktlich um 13 Uhr der neue Botschafter den gut gefüllten Salon. Zunächst bedankte sich der bekennende Völkerrechtler für das Interesse an seiner Person und stellte einige Mitarbeiter vor. Sodann sagte er, was für ein Erlebnis es sei, in einer werdenden Metropole zu sein, stellte Berlin in den Kontext boomender Städte in Asien, nannte seine bisherigen Stationen, Paris, Prag, New York. An die Spitze seiner Schwerpunkte stellte er das bilaterale Luftverkehrsabkommen. Auch kündigte er seine Teilnahme an der Trauerfeier in Überlingen an, zu der auch der Schweizer Verkehrsminister erwartet wird. Zum Schluss machte er klar, dass er sich im Zusammenhang mit seinem Vorgänger Thomas Borer „über die Ereignisse der letzten Monate und Tage nicht äußern“ werde. Er sei in Manila gewesen. Allerdings kenne er Thomas Borer aus der Zeit, als er Chef der Völkerrechtssektion gewesen sei, in der Borer als einer von acht Juristen mitgearbeitet habe. Seit seiner Ernennung habe er einige Male mit ihm telefoniert und sich auch einmal mit ihm getroffen: „Ich habe keine Berührungsängste.“ Allerdings habe nun jeder sein Stück zu meistern. Er und seine Frau legten Wert auf ein Privatleben. „Beruflich sind wir voll präsent, privat wollen wir lieber im Hintergrund bleiben.“

Nach diesem betont sachlichen ersten Auftritt sieht es nicht so aus, als ob dem viel im Wege stünde.Elisabeth Binder

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