Berlin : Das Denkmal muss warten

Initiative will am Schlossplatz der deutschen Einheit gedenken Projekt an der Stelle des einstigen Kaiserdenkmals ist umstritten

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Was ist eigentlich aus dem „Denkmal Deutsche Einheit“ geworden, das auf den leeren Sockel auf dem Schlossplatz sollte, also an die Stelle des früheren Nationaldenkmals von Reinhold Begas mit Kaiser Wilhelm I. hoch zu Ross?

Die Idee ist schon vier Jahre alt. Im Mai 1998 wandte sich eine „Initiative Denkmal Deutsche Einheit“ an die Öffentlichkeit. Dazu gehörten der letzte DDRMinisterpräsident Lothar de Maizière, der Bürgerrechtler und CDU-Bundestagsabgeordnete Günter Nooke, der Journalist Jürgen Engert und der Präsident des Bundesamtes für Bauwesen, Florian Mausbach. Der Schlossplatz stehe für die wechselvolle Geschichte der Deutschen, dies sei der rechte Ort, und mit dem Denkmal könne ein „neues kollektives Erinnern“ in Gang gesetzt werden, hieß es bei der Präsentation des Vorschlags.

De Maizière nannte damals die Einheit ein „Geschenk der Geschichte“ und die Wiedervereinigung einen „Sieg der Ostdeutschen“. All das sollte durch ein Denkmal gewürdigt und ausgedrückt werden, dem müsse ein internationaler künstlerischer Wettbewerb vorausgehen. Die Vorstellung war, zum zehnten Jahrestag des Mauerfalls – also 1999 – das Denkmal zu enthüllen – ein utopisches Datum, wenn man an die politischen, künstlerischen und bautechnischen Debatten denkt, die einem solchen Projekt in dieser Stadt vorausgehen.

So ist und so war es auch diesmal. Im vorigen Jahr, also drei Jahre nach der Idee, war man immerhin schon bis ins Plenum des Bundestages vorgedrungen. Ausgerechnet am 9. November 2001 lehnte eine Mehrheit den Gruppenantrag von immerhin schon 177 Abgeordneten ab. Die Zeit für ein solches Denkmal für Freiheit und Einheit sei noch nicht reif, hieß es bei den Gegnern des Projekts. Ein Abgeordneter sagte bedeutungsschwanger: „Es geht im Moment nicht darum, ein Denkmal zu errichten, sondern den Einigungsprozess voranzutreiben.“ Im Gegensatz dazu meinte FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper, das Denkmal wäre auch „ein Zeichen eines neuen nationalen Selbstbewusstseins“.

Heute sind 13 Jahre seit der Maueröffnung vergangen. Haben die Initiatoren und Befürworter des Denkmals für den leeren Sockel, unter dem sich für Veranstaltungen nutzbare Räume befinden, die Lust verloren? Günter Nooke sagt, „wir überlegen, ob wir weiter parlamentarisch aktiv werden“, denn dieser „Logenplatz der Geschichte“ könne nicht ewig leer oder ein Platz für Baucontainer sein. Der Plan zum Denkmal bestehe weiter, zumal die Mehrheitsverhältnisse im neuen Bundestag eine positive Entscheidung in neuem Licht erscheinen lassen. Parallel zum Schloss-Wiederaufbau sollte auch für das Denkmal ein künstlerischer Wettbewerb ausgeschrieben werden. Mit Wilhelm von Boddien, dem Schlossbau-Initiator, sei bereits vereinbart, dass ein Informationszelt zum Thema Denkmal auf den Sockel kommt – der übrigens unter Denkmalschutz steht. Lothar de Maizière hatte bei der ersten Präsentation der Pläne gesagt: „Hier entschied sich die deutsche Einheit als Ergebnis der friedlichen Revolution. In Dankbarkeit wollen wir daran erinnern.“ Heute steht er, wie die übrigen Initiatoren, weiter zu dem Vorhaben. Indes: „Die richtige Zeit dafür wird sein, wenn über die Gestaltung des Schlossplatzes entschieden wird, und dabei wird sich herausstellen, dass man nicht wieder den alten Wilhelm auf den Sockel stellen wird.“ Lo.

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