Berlin : Das Denkmal wird provozieren

Wir, die Nachfahren der Täter, sind der Absender. Deshalb verbietet sich eine Botschaft in hebräischer Sprache: "Du sollst nicht morden". Der Vorschlag von Richard Schröder ist da mißverständlich. Gerade Ihr Wunsch, Herr Diepgen, nach einfacher Verständlichkeit ist mit einem solchen Vorschlag nicht erfüllt.

Er läuft Gefahr, mit der Erinnerung an die gemeinsame religiöse Wurzel von Christen und Juden den Opfern zu nahe zu treten. Sie muß man weder erinnern noch ermahnen, schon gar nicht im Land der Täter. Und der moralische Satz unterschlägt in seiner Allgemeinheit die politische Dimension der speziellen Täterschaft.

Der Entwurf von Peter Eisenman hat die Radikalität eines großen Kunstwerkes. Es verzichtet auf jeden Anschein falscher Versöhnlichkeit. Ja, das Bauwerk ist groß und unüberschaubar, es wirkt auf den Betrachter entgrenzend und läßt ihn mit sich allein in der Gleichzeitigkeit von Gegenwart und Erinnerung. Und ist es nicht gerade die Ausdehnung am zentralen Ort, die das Denkmal unübersehbar, unumgehbar und damit die Auseinandersetzung unausweichlich macht?Das Denkmal wird provozieren. Aber die Sorgen vor Schmierereien dürfen nicht die Entscheidung, die demokratische Entscheidung in dieser Frage beeinflussen.

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