Berlin : „Das dürfte gelaufen sein“

Der Zoo-Direktor resigniert – die Panda-Bärin Yan Yan wird wohl niemals trächtig

Bernd Matthies

Das Berliner Tierjahr kannte zuletzt nur noch zwei wesentliche Termine. April: Yan Yan wird künstlich befruchtet. September: Yan Yan ist wieder nicht schwanger. Dieses Ritual hat sich auch 2004 wiederholt, bringt aber doch eine Neuerung: „Das dürfte gelaufen sein“, sagte jetzt Zoo-Direktor Jürgen Lange, der doch sonst immer höchsten Optimismus verbreitete, wenn es um den Panda-Nachwuchs ging. Mittlerweile aber ist Yan Yan gut 20 Jahre alt. Der Panda-Bär, er kann nicht mehr.

Seit 1995 ist Yan Yan in der Stadt, damals von Eberhard Diepgen im Triumph aus Peking heimgeführt wie eine lang umworbene Königstochter. Sie war der Ersatz für Tjen Tjen, die Bärin, die zusammen mit Bao Bao 1980 als Geschenk der chinesischen Regierung nach Berlin gekommen war und 1984 starb. Yan Yan, anders als ihr Gefährte nur eine Dauerleihgabe, hatte einen klaren Parteiauftrag: Nachwuchs auszutragen zum Ruhme des chinesischen Bärenvolkes.

Damit aber begann das Elend. Yan Yan zeigte sich nach Ankunft keinesfalls anschmiegsam, sondern biss ihrem Zukünftigen erst einmal ein halbes Ohr ab – was nichts mit Leidenschaft zu tun hatte, sondern nach Auffassung der Zoologen einfach Ausdruck schlechter Laune war. Und diese Laune besserte sich auch im Laufe der Jahre nicht, obwohl der Zoo keinen noch so faulen Trick ausließ: Man reichte Potenz-Pillen, trennte Schlafstatt und Gehege zwecks Anfachung der Leidenschaft und zeigte schließlich „Naturfilme“ – eher eine Art Panda-Porno –, doch umsonst.

Dann begann die Phase der künstlichen Befruchtungen. Insgesamt acht Versuche, insgesamt acht Fehlschläge. Empfänglich war die Bärin immer im April für 36 Stunden, die medizinische Überwachung funktionierte lückenlos wie bei einem todkranken Staatschef auf der Intensivstation, der Hormonspiegel erreichte nie gekannte Höhen, und doch blieb alles vergebens. 2001 kam noch einmal neue Leidenschaft ins Spiel, als Peking 280000 Mark für die Verlängerung des Leihvertrags verlangte. Dies konnte Eberhard Diepgen, vermutlich mit Hinweis auf die bekannten Mängel, abwehren, und die Berliner Zoologen machten weiter, bestimmten Hormone im Blut und im Kot und alarmierten anschließend die Presse: Diesmal aber wirklich!

Dann kamen im April 2004 noch einmal chinesische Experten, untersuchten Yan Yan – und winkten ab. Den Super- Cocktail aus Peking, gemischten Samen von zwölf Bären, mochten sie mangels Aussicht schon nicht mehr einfliegen lassen. Und auch der achte Versuch mit Bao Baos eigenem Samen schlug fehl. Nun, im hohen Alter von 20, ist offenbar endgültig Schluss.

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