Berlin : Das ehemalige Palais des Kaisers leuchtet

Zwei Jahre hat die Sanierung der Fassade des Hauses der Juristischen Fakultät Unter den Linden gedauert

Helmut Caspar

Noch versperren Gerüste den freien Blick, aber einige Teile der sanierten Fassade sind schon zu sehen. Das Alte Palais Unter den Linden leuchtet jetzt in einem hellen Ocker. Das Grau des Gebäudes, in dem sich die Juristische Fakultät der Humboldt-Universität befindet, ist passé. Helmut Engel, ehemaliger Landeskonservator und heute Geschäftsführer der Stiftung Denkmalschutz Berlin, hatte bei seinen Forschungen herausgefunden, dass Ocker die historische Farbe der Fassade war. „Der Anstrich sollte edlen Sandstein vortäuschen“, erklärte Stiftungs- Vorstand Reinhard Müller, „denn in Preußen musste man sparen und musste daher auf eine optische Täuschung zurückgreifen.“ Gestern besuchte Müller zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden der Denkmalstiftung, Lothar de Maizière, die Baustelle.

Fast zwei Jahre hat die Fassadensanierung an diesem ehemaligen Stadtpalais für den Prinzen Wilhelm von Preußen gedauert. Bis Ende August werden die Gerüste abgebaut, im September ist die neue Fassade dann komplett zu sehen. 2,6 Millionen Euro hat die Schönheitskur gekostet, die Universität stellt davon 1,8 Millionen. 633 000 Euro kommen von der Stiftung Denkmalschutz Berlin, weiteres Geld von der Bundesanstalt für Arbeit und anderen Sponsoren.

Das Alte Palais wurde von 1834 bis 1837 von Carl Ferdinand Langhans als Stadtpalais für den Preußen-Prinz Wilhelm errichtet, der 1861 als König Wilhelm I. den Thron bestieg und 1871 deutscher Kaiser wurde. Seine Berliner Residenz besitzt eine der aufwändigsten klassizistischen Fassaden der Stadt. Besonders wertvoll ist der umlaufende Terrakottafries unterhalb des Daches mit 18 allegorischen Figuren und 16 Wappenschildern, die die preußische Monarchie und ihre einzelnen Territorien symbolisieren.

Stiftungsvorstand Müller ist vom Ergebnis der Fassadensanierung beeindruckt. Sie sei ein weiteres Beispiel dafür, was bürgerschaftliches Engagement auch im Bereich von Denkmalschutz und Denkmalpflege bewirkt. Angesichts großer wirtschaftlicher Schwierigkeiten der öffentlichen Hand sei es vordringlich, dass sich immer wieder private Geldgeber finden, die mit großen und kleinen Spenden einspringen. „Wir stiften, um weitere Stiftungen anzuregen, denn die knappen Mittel, die das Land Berlin und in diesem Fall die Humboldt-Universität für seine historischen Bauwerke ausgibt, brauchen unbedingt eine Ergänzung durch private Spenden. Da ist jeder Euro willkommen.“

Zum Sanierungsprogramm am Alten Palais gehört auch die Rekonstruktion der mit Efeu bewachsenen Pergola direkt unter dem Eckfenster, an dem immer zur gleichen Zeit Wilhelm I. seinen Untertanen zuwinkte. Die Universität wird in jenem historischen Eckzimmer daran erinnern, dass vom Palais des Kaisers Wilhelm aus jahrzehntelang Preußen und ab 1871 auch das Deutsche Reich regiert wurde. De Maizière sagte gestern, er könnte sich vorstellen, dass hier auch Gemälde, alte Fotografien und sogar ein Exemplar der ersten deutschen Reichsverfassung ausgestellt wird, „damit die Studenten auch wissen, an welchem historischen Ort sie lernen.“

Das Palais, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und 1962/63 außen historisch, innen dagegen ganz neu aufgebaut worden ist, wird nun noch im Innern verschönert. Das dunkle und unwirtliche Vestibül soll als Nächstes umgebaut werden. Die Humboldt-Universität will grau gestrichene Stellwände öffnen und das Treppenhaus von störenden Anbauten befreien. Zwei Nachbildungen der allegorischen Gesims-Figuren werden nach Information von Universitäts-Hochbauleiter Silvio Stahn auf Konsolen gestellt. Außerdem ist geplant, auf Schautafeln über die Geschichte des Alten Palais und seinen Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg zu berichten. Pünktlich zum Ende der Fassadensanierung hat Helmut Engel über die Geschichte des Hauses ein Buch fertig gestellt („Das Haus des Deutschen Kaisers Unter den Linden“, Verlagshaus Braun, 29,90 Euro).

Auch der Gehsteig vor dem Haus wird nun geliftet. Da die Betonplatten unter dem Balkon Unter den Linden unpassend sind, bekommt die ehemals hochherrschaftliche Auffahrt ein kleinteiliges Pflaster. Das ist aber nicht mehr Aufgabe der Denkmalstiftung. Sie widmet sich nun voll und ganz ihren anderen Baustellen – der Sanierung des Charlottenburger Tores und des Strandbades Wannsee.

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