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Berlin : Das Ende der Karriereleiter

01.12.2012 00:00 Uhrvon
Abgespritzt. 2005 verschwand der Koloss „Ecbatane“ vor dem ICC. Foto: promo/Messe Foto: Mike Wolff, TSPBild vergrößern
Abgespritzt. 2005 verschwand der Koloss „Ecbatane“ vor dem ICC. Foto: promo/Messe - Foto: Mike Wolff, TSP

Viele Jahre steht ein Kunstwerk vor der landeseigenen Investitionsbank. Es ist umstritten – und eines Tages verschwunden. Die Suche endet auf dem Schrottplatz.

Kunstinteressierten dürfte die Firma Beller im Neuköllner Südosten bisher kein besonderer Begriff gewesen sein. Wenig erstaunlich, schließlich bestand die Arbeit hier, zwischen Schrebergärten, Tankstellen und der A113, bisher doch vornehmlich in der Demontage von Silos und dem Abschrauben von Rolltreppen. Und doch dürfte sich der Weg nach Britz ab sofort lohnen. Denn die „Karriereleiter“ des Bildhauers Peter Lenk, eine gut 16 Meter hohe Skulptur, die bis vor wenigen Wochen noch an der Fassade der landeseigenen Investitionsbank Berlin (IBB) stand, hat hier einen neuen Platz gefunden: auf einem Schrottplatz.

Rückblende: Im Juli 2007 beauftragt Dieter Puchta, damaliger Vorstandsvorsitzender der IBB, den Bildhauer Peter Lenk mit der Errichtung der „Karriereleiter“.

60 000 Euro zahlt die landeseigene IBB an Lenk, zusätzlich entstehen Kosten für Transport und Aufstellung. Das Kunstwerk stellt drei Geschäftsmänner mit Aktentaschen dar, die sich auf dem Weg nach oben gegenseitig mit Fußtritten behindern – ein satirisches Statement in dem Jahr, in dem der ehemalige Bankenmanager und Politiker Klaus-Rüdiger Landowsky (CDU) vor dem Landgericht wegen seiner Beteiligung im Berliner Bankenskandal zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt wird.

Fünf Jahre steht das Kunstwerk vor der IBB an der Bundesallee in Wilmersdorf – und verschwindet vor wenigen Wochen in der Nacht zum 1. November. Daraufhin nimmt sich Lenk einen Anwalt und will jetzt gegen die IBB klagen. Der Vorwurf: Mit der Demontage, von der er nichts wusste, sei sein Urheberrecht verletzt worden.

Bei der Bank sieht man die Lage anders. Hier scheinen sich die Kräfteverhältnisse mit dem Vorstandsvorsitzenden Ulrich Kissing, der im Sommer 2009 sein Amt antrat, verändert zu haben. Das Kunstwerk, das Dieter Puchta damals auch gegen Widerstände im eigenen Haus durchsetzte, sei „keine gute Visitenkarte für die IBB“, sagt ein Sprecher der Bank. In einer hausinternen Mitteilung informiert die Bank ihre Angestellten, dass man sich daher entschlossen habe, die Leiter „einem interessierten Unternehmen auszuleihen“. Dass es sich hierbei um einen Schrottplatz handelt, schreibt die Bank nicht.

Ein „enormer logistischer Aufwand“ sei es gewesen, die Leiter von der Bank in der Bundesallee an den Rand Neuköllns zu befördern, heißt es am Freitagmorgen auf dem Schrottplatz. Nachdem ein Kran die Leiter angehoben habe, sei sie mit einem Tieflader auf das Firmengelände geschafft worden, Straßensperrung inklusive. Ein „guter Auftrag“ sei es gewesen; wie viel die landeseigene IBB an Geld dafür zahlte, ist unbekannt. Nun steht die Leiter eingerahmt zwischen einem Holzhaufen und einigen Containern für Bauschutt. Schubkarren sowie ein alter Rasenmäher runden das Ensemble ab.

Unterstützung bekommt Lenk vom damaligen Auftraggeber. „Das ist eine Katastrophe für die IBB und das Land Berlin“, sagt Dieter Puchta. „Kunst ist nur interessant und wichtig, wenn über sie diskutiert wird.“ Mit der Verbannung der Leiter an den Stadtrand sei diese Diskussionsmöglichkeit aber vertan. „Ich bin kein Künstler für Leitbilder und Visitenkarten“, sagt Lenk. „Kolossal mutig“ sei es doch gewesen, dass die IBB die Leiter vor dem Eingang aufbaute. „Ich will, dass sie da wieder aufgestellt wird“, sagt Lenk. „Denn da gehört sie urheberrechtlich hin.“

Wie aber sieht es aus mit dem Urheberrecht? Eine Richtlinie des Ministeriums für Bau und Verkehr scheint eindeutig: „Kunst am Bau ist urheberrechtlich geschützt“, schreibt das Ministerium. „Eine Entfernung bestehender Kunstwerke ist nur in Ausnahmefällen zulässig.“

Tatsächlich jedoch werden auch in Berlin regelmäßig Kunstwerke entfernt, ohne dass vorher genau feststeht, was mit ihnen geschehen soll. So verschwand im Jahr 2005 „Ecbatane“, ein sieben Meter hoher und 16 Meter langer Koloss von seinem Standort vor dem ICC auf unbestimmte Zeit in einer Lagerhalle. 1980 errichtet war das Werk zum Sanierungsfall geworden. Und erst vor zwei Jahren wurde Walter Womackas Wandbild „Der Mensch, das Maß aller Dinge“ eingemottet, das seit 1968 eine Giebelseite des ehemaligen DDR-Bauministeriums zierte. Das Gebäude – mittlerweile im Besitz der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) – sollte aber abgerissen werden, also wurde das Wandbild kurzerhand in Kisten verstaut.

Anders könnte die Lage bei Lenks Karriereleiter aussehen. Denn das Kunstwerk ist weder kaputt, noch steht die IBB-Zentrale vor dem Abriss. Der Urheberrechts-Experte Gerhard Pfennig sieht gute Chancen für eine Klage des Bildhauers. So sei zwar die Vernichtung und Entsorgung eines Kunstwerkes erlaubt, verboten hingegen sei eine „entwürdigende Präsentation“ der Arbeiten. „Kunstwerke auf einem Schrottplatz lagern ist nicht erlaubt“, sagt Pfennig. „Kunstwerke auf einem Schrottplatz durch den Schredder zu jagen, wenn keiner zusieht, wahrscheinlich schon.“

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