Berlin : Das Ende der Orks

Was Jugendliche und Elektronikhändler vom geplanten Verbot für Gewaltspiele halten

Paul Dalg

Kleine grüne Orks stapfen durch ein Sumpfgebiet. Sie treffen auf eine große Gruppe Untoter, inklusive schwarzer Drachen. Grunzend stürmen sie in den Kampf – können aber mit ihren Äxten gegen die fliegenden Ungeheuer nicht viel ausrichten. Die Zombie-Armee nutzt die Gelegenheit, um in das Dorf der Orks einzufallen. Ein bisschen Mittelalter, ein bisschen Magie, viel Herr der Ringe: Das ist das Computerspiel Warcraft 3. Und innerhalb der Spielergemeinde gilt es als eines der besten Spiele, die je programmiert wurden.

Doch wenn es nach Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) geht, wird auch Warcraft wahrscheinlich bald verboten und nur noch unter der Ladentheke zu haben sein. Von der Leyen will das sofortige Verbot aller gewaltbeherrschter Spiele. Das heißt: Spiele, in denen Gewaltanwendung belohnt wird, indem die Spieler Punkte sammeln oder die nächsthöhere Spielstufe erreichen, kommen auf den Index. Ist ein Spiel erst einmal indiziert, darf es nicht mehr öffentlich beworben oder für Jugendliche frei zugänglich gemacht werden.

Die Berliner Spielegemeinde steht den Forderungen der Familienministerin skeptisch gegenüber. Computerspiele sind nur ein Sündenbock, findet der 17-jährige Julian Kramer. Er hat sich gerade das Spiel World of Warcraft gekauft. Kinofilme wie Saw III sind noch viel brutaler, und Spiele wie Warcraft zeigen nicht mehr Gewalt als gängige Zeichentrickfilme im Kinderfernsehen. Auch eine größere Alterskennzeichnung auf Verpackungen, wie die Bundesfamilienministerin sie fordert, hält er nicht für sinnvoll. Wenn man sich mit dem Computer auskennt, gibt es genug Wege, das Spiel aus dem Internet zu bekommen, legal oder illegal. Im Zweifelsfall wären außer Sport- und Rennspielen praktisch alle beliebten Computerspiele verboten: Allein von einem Verbot von Counter-Strike und World of Warcraft, den beiden beliebtesten Spielen, wären über 750 000 deutsche Spieler betroffen.

Das macht sich natürlich auch im Umsatz bemerkbar, sagt Jaqueline Ehrenfeld, stellvertretende Geschäftsführerin des Game Shop Deutschland. Das Unternehmen betreibt elf Filialen in Berlin, deutschlandweit sind es 95. Ehrenfeld befürchtet, dass viele junge Kunden auf Internet-Bestellungen aus dem Ausland ausweichen werden und sich auf diesem Wege künftig auch die erlaubten Spiele beschaffen. Einiges von dem, was die Familienministerin zum verbesserten Jugendschutz einfordert, gibt es bereits heute. Der Elektronikhändler Saturn bestätigte etwa, dass es bei Medien, die eine Altersbeschränkung von 16 oder 18 Jahren haben, entsprechende Warnsignale für das Verkaufspersonal gebe.

Auch Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), zugleich Präsident der Kultusministerkonferenz, hatte schon im Januar ein Verbot von Killerspielen gefordert und angekündigt, mit anderen Kultusministern eine gemeinsame Position anzustreben. Auf Nachfrage des Tagesspiegels begrüßte er die Initiative durch Ursula von der Leyen, mahnte jedoch: Angesichts der Bedeutung des Themas und im Hinblick auf die Umsetzbarkeit von Maßnahmen muss eine sorgfältige Diskussion erfolgen. Die Berliner FDP sprach sich gegen ein generelles Verbot von Computerspielen aus. „Ein Verbot ist kein Patentrezept zur Drosselung der Jugendgewalt“, sagte der Pressesprecher Joe Dreixler. Bisher ist Warcraft 3 ab 12 Jahren gemäß Paragraf 14 Jugendschutzgesetz freigegeben.

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