Berlin : Das Ende der roten Kiste: Letzte Chance zum Besuch der Info-Box am Leipziger Platz

C. v. L.

Langsam klappt der Deckel über die Kiste. Heute um Mitternacht ist Schluss. Morgen wird um 14 Uhr geschlossen. Dann ist für alle Normalbesucher die letzte Chance vertan, hinein zu schauen in die weltberühmte rote Stadtplanungskiste am Leipziger Platz. Dann nehmen abends zwar noch 1000 geladene Gäste wehmütig Abschied, aber nach der Sonnabend-Party ist wirklich Schluss. Endgültig. Klappe zu, Info-Box tot.

Einer, der mitfeiert, und dem gar nicht zum Feiern zumute ist, heißt Michael Schumacher. Nicht der Michael Schumacher. Dieser Schumacher ist Architekt und entwarf mit seinem Partner Till Schneider die Info-Box. Sie sind die eigentlichen Väter der Box. Obwohl die Kiste noch andere Väter hat. Aber die haben das rote Ding eher platonisch gezeugt, etwa Ideengeber Wolfgang Nagel, der frühere Bausenator, oder die Investoren vom Potsdamer Platz oder Dirk Nishen, der Betreiber des Ausstellungsbaus.

"Es ist traurig", sagt Schumacher in seinem Büro in Frankfurt am Main. Er meint das Ende seines Kindes aus Stahl und Glas, das in wenigen Wochen demontiert und verschrottet wird. Die Box hat ihre Schuldigkeit getan, niemand hat das Geld, sie woanders aufzustellen, zumal Ab- und Aufbau wieder fast zehn Millionen Mark kosten und ihr, der ortsbezogenen Info-Kiste, auch ein neuer Sinn gegeben werden müsste.

Schumacher und sein Partner glaubten fest, dass die Berliner das "Symbol der Wiedervereinigung und des Aufbaus" nicht einfach verschrotten, sondern als Forum für Stadtplanung und Kultur weiterentwickeln, wo auch immer in der Stadt. "Wir hoffen, dass die Box in 20 Jahren wieder aufgebaut wird", sagt Schumacher, und wünscht, dass die Stadt einen Fehler korrigiert. Die Architekten hatten den Wettbewerb für einen Informations-Pavillon zur Planung rund um den Potsdamer Platz gewonnen. Er sollte gleichzeitig Seilbahn-Station sein, denn damals träumte man in der Stadt noch von Gondeln, die über die Großbaustelle schwebten, wie einst zur Interbau 1957 übers wachsende neue Hansaviertel.

Die Frankfurter Architekten wollten aber keinen bloßen Pavillon entwerfen, sondern "etwas Spezifisches, Unverwechselbares". Sie entschieden sich für eine Kiste, die sich in ihrer simplen Form auch der Plumpheit der nahen Baustelle Potsdamer Platz anpassen sollte. Sie stellten sie auf Stelzen, weil sie ja auch Plattform zur Seilbahn sein sollte.

Mit der Seilbahn wurde es nichts, aber das Haus wurde ein Hit. Rund neun Millionen Besucher kamen seit der Eröffnung, alle wollten die in Stoppschild-Rot gestrichene "Box" sehen, die nie eine Box ohne ihre Väter, die Architekten, geworden wäre. Ihr Kind wurde nur fünf Jahre alt.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben