Berlin : Das Ende der Trockenzeit ist in Sicht

Wer ist schuld an den Rissen im Pamukkale-Brunnen? Der Gutachter will bis Jahresende über die Schadensursache urteilen. Dann könnte endlich saniert werden

Christoph Villinger

Der Streit um den Kreuzberger Pamukkale-Brunnen neigt sich dem Ende zu. Eine Sanierung der maroden Anlage rückt offenbar in greifbare Nähe. Auf jeden Fall „noch vor Weihnachten“ möchte der Berliner Ingenieur und frühere TU–Professor Manfred Specht das dritte und entscheidende Gutachten zu den Frost-Schäden am Pamukkale-Brunnen für das Berliner Landgericht fertig haben. Dort wartet der Vorsitzende Richter Hawickhorst seit September 2001 vergeblich auf das von ihm im Auftrag gegebene Gutachten zu den Frost-Schäden an den Steinen des im Kreuzberger Görlitzer Parks gelegenen Brunnens.

Der Richter muss klären, wer dafür verantwortlich ist, dass die Steine an den Flügeln des seit Frühjahr 1999 teilweise gesperrten Brunnens abbröckeln. Der Architekt Wigand Witting, der nach Ansicht des Friedrichshain-Kreuzberger Baustadtrats Franz Schulz (Grüne) mit einem portugiesischen Kalkstein „den falschen Stein ausgewählt hat“. Oder, wie Witting überzeugt ist, die ausführenden Baufirmen. „Erst wenn vor Gericht die Haftungsfrage geklärt ist und die Versicherungen bezahlt haben, kann mit diesen Geldern die Sanierung geplant werden“, sagt Schulz.

Der nach dem Vorbild der Kalkstein-Terrassen im türkischen Pamukkale geformte und für 3,5 Millionen Mark gebaute Brunnen sprudelte 1998 nur für sechs Wochen. Dann stellte man ihn wegen der Winterpause ab. Im nächsten Frühjahr zeigte sich, dass der Kalkstein dem Frost nicht standgehalten hatte. Seitdem sind die beiden maroden Flügel des Brunnens eingezäunt und gesperrt, und jeder Winter verursacht weitere Schäden. Nur der Mittelteil aus eingefärbten Betonstein ist weiterhin zugänglich. Der Streit um die Ursache der Risse dreht sich um die Frage, wer für die Sanierung bezahlen muss. Beide Seiten legten vor dem Berliner Landgericht, wo seit Sommer 2000 der Streit ausgetragen wird, Gutachten vor, die ihre jeweilige Position unterstützten. Daraufhin bestellte Richter Hawickhorst ein drittes Gutachten.

Für die Verzögerungen bei der Erstellung des Gutachtens macht Specht vor allem die aufwändigen Untersuchungen „zur jahreszeitlichen Durchfeuchtung der Steine“ des zuarbeitenden Frauenhofer Instituts verantwortlich. Außerdem musste er zweimal abwarten, bis das Gericht zusätzlichen Kosten für weitere Untersuchungen zustimmte. Erst „seit drei Tagen“ liegen ihm die Ergebnisse des Frauenhofer Instituts vor. Zu inhaltlichen Fragen zu seinem Gutachten wollte er mit Hinweis auf das laufende Verfahren vor Gericht keine Auskunft geben. Auch Richter Hawickhorst wollte sich gegenüber der Presse nicht äußern.

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